Donnerstag, 3. Dezember 2009

FCN-SCF 0:1 - oder: Zum Glück war ich woanders...

Ein Auswärtssieg in Wolfsburg. Selbst kühnste Optimisten hatten das nicht erwartet. Beim deutschen Meister in einem mitreissenden Spiel - so mitreissend, dass sich Schäfer zu einem Blackout hinreissen ließ und sich vier Spiele Sperre abholte. Trotzdem schien alles rosarot zu sein vor dem Spiel gegen Freiburg, Tabellennachbar und wie der Club vor der Saison als Abstiegskandidat gehandelt. Nachdem man schon großzügig anderen Mannschaften aus dem Tabellenkeller zu Hause Punkte geschenkt hatte (siehe Bochum, Hannover) sollte es endlich mal wieder ein Dreier werden.

Aber es kam nicht so wie erhofft: Freiburg mit einem frühen Tor nach einer Ecke und kollektivem Nürnberger Abwehrschlaf. Anschließend das alte Rezept - sich einigeln und den Club seine Chancen vergeben lassen. Der Strich zu den Abstiegsrängen rückt bedrohlich näher und eine Auswärtsfahrt nach Dortmund verspricht auch nicht gerade drei Punkte.

Ich "durfte" mir das Spiel allerdings nicht anschauen. Böse bin ich nicht wirklich darüber - nachdem ich es im Liveticker ab halb sieben morgens verfolgt habe. Stattdessen war ich nämlich in Las Vegas und bin dort zu einem groß angekündigten Sportereignis.

Dort fand nämlich der "Super Bowl der UFL" - einer dieses Jahr neu gegründeten Footballliga - statt. Eins vorneweg: geärgert hab ich mich ähnlich wie bei einem Club-Spiel, wenn nicht noch mehr. Aber der Reihe nach.

Die UFL wurde von einigen schwerreichen Menschen gegründet, die der Meinung sind, dass es trotz der allmächtigen NFL, die Fernsehverträge über Milliarden Dollar und fast überall ausverkaufte Stadien hat, noch nicht genug Football in Amerika gibt. Das könnte man ja noch nachvollziehen; sie haben von Beginn an erklärt, dass sie keine Konkurrenz zur NFL sein wollen, was auch etwas lächerlich gewirkt hätte.

Gestartet wurde mit ganzen vier Mannschaften, die ihre jeweils drei Heimspiele auch noch aufteilten auf verschiedene Standorte, um eine möglichst breite Fanbasis zu errichten. Der erste Fehler lag meiner Meinung (und die meisten Experten sehen es ähnlich) nach darin, dass sie wie die NFL im Herbst spielen und nicht im footballfreien Frühjahr. Außerdem setzten sie Teams nach San Francisco und New York, wo es vier populäre NFL-Mannschaften gibt und die Zuschauerzahlen schwindelerregende 6000 bzw. 8000 niedrig waren. Und wie sich später herausstellte, nimmt es die UFL mit diesen Zahlen nicht ganz so genau, so dass vermutlich kaum mehr als eine Handvoll Fans in den Stadien war.

Nachdem sich unser Urlaub zufällig mit dem Finale dieser Liga überschnitt, wurden also flugs 5 Karten zu ca. 32 Dollar geordert. Ein annehmbarer Preis für so ein Finale dachte ich. Gespielt wurde im Stadion der UNLV Rebels (das Collegeteam der Uni Nevada), welches an einer Seite offen ist und so ca. 38.000 Leuten Platz bietet. Im Vorfeld der erste Ärger: in unserem Casino gabs das spektakuläre Angebot, dass man zwei Karten zum Spiel umsonst erhält, wenn man eine Wette mit mind. 10 Dollar absetzt. Tolle Sache, wenn man die Karten nicht schon vergleichsweise teuer im Vorfeld gekauft hat. Die Karten hab ich natürlich trotzdem mitgenommen - vielleicht findet sich ja ein armer Waisenjunge, der welche braucht. Oder ein Schwarzmarkthändler, dem man ein paar Dollar rausleiern kann.

Auf dem Weg zum Stadion, der etwas kürzer als in Nürnberg ist - und wo man umsonst parken kann (was wäre der Durchschnittsami ohne sein Auto), fiel vor allem eines nicht auf: Menschen in Fankleidung der Las Vegas Locos, dem heimische Team, welches sich mit vier Siegen und zwei Niederlagen ins Finale gegen das Team der Florida Tuskers (die hatten alle gewonnen) gespielt hatte. Ein paar NFL Trikots, sonst reichlich Zivilkleidung. Anders als bei jedem NFL-Spiel, wo mind. vier Fünftel in Trikot erscheinen. Gewundert hats mich andererseits nicht, denn in acht Tagen Las Vegas und Besuchen in jedem erdenklichen Sportladen hab ich auch nirgends Merchandising gesehen.

Aber die Liga gibts ja noch nicht so lang...und wenns nach dem Spiel geht, auch nicht mehr lang. Aber ich greife vor...Meine zwei überzähligen Karten wollte ich unterwegs noch schnell loswerden, was sich jedoch als schwierig herausstellte: weit und breit kein offensichtliches Waisenkind und der Schwarzmarkthändler hatte nicht mal 5 Dollar einstecken (die man ihm bei ner Festnahme sonst abnehmen würde). Seine Bemühungen, kurzfristig liquide zu werden, scheiterten, so dass ich die Karten letztendlich dem örtlichen Mülleimer anvertraute. Kein großer Verlust, aber ich machte mir ne mentale Notiz, dass ich bei Verkündung der offiziellen Zuschauerzahl zwei Personen abziehen muss.

Um das Stadion gabs dann ein paar Gimmicks wie Kletterwand, DJ und Picknickarea, die der geneigte Schreiber so auch von der leider verschiedenen NFL Europe kannte (da verging den schwerreichen Männern leider die Lust und somit ist die Frankfurt Galaxy leider Geschichte...RIP). Alles nicht übermässig spektakulär für den selbsternannten "Super Bowl". Wer den Hype um den Super Bowl einmal mitgekriegt hat, weiß, dass dieses Finale so weit vom Super Bowl weg war, wie ein Länderspiel San Marino-Liechtenstein von einem WM-Finale.

Im Nachhinein habe ich dann noch gelesen, dass die Schwarzmarkthändler ihre Tickets auch weit unter aufgedrucktem Wert verkaufen mussten (auf meinen Zusatzkarten stand eh schon 0,00 $), weil sich der Absatz in sehr engen Grenzen hielt. Hierzulande hätten umsonst-Tickets ein Stadion wahrscheinlich gut gefüllt; in Vegas, wo es täglich Mega-Shows und Konzerte gibt...nicht. Als wir das Stadion betraten, wurde uns vom freundlichen Ordner mitgeteilt, dass wir quasi freie Platzwahl hätten. Nicht so schwierig, denn es war weitaus schwerer, besetzte Plätze zu finden, als freie.

Neben diversen illustren Gästen (die Amis nennen sowas White Trash... Al Bundy lässt grüßen) fanden sich hauptsächlich Otto-Normalverbraucher wie wir. Das Spiel an sich langweilte ähnlich wie der oben erwähnte Club-Auftritt gegen Hannover oder Bochum. Ich hatte auf die bislang ungesetzten Tuskers gewettet und die taten ab der Halbzeit alles dafür, dass mein Geld den gleichen Weg nahm wie meine Umsonst-Tickets - nämlich in die Tonne. Vor allem der Spielplan des Coaches Jim Haslett sorgte bei mir für die Gewissheit, dass er wohl auf die Heimmannschaft gewettet hatte.

Die sonst übliche Show beim Football konnte meine Laune ebenfalls nicht aufheitern: keine Cheerleader (gut, auf die könnte ich sonst auch verzichten), aber bei jeder Unterbrechung eine dümmliche Truppe namens U-Team, das T-Shirts ins Publikum warf / schoss. Toll. Das sollte für Begeisterung sorgen und der Durchschnittszuschauer machte das Beste daraus. Von Show und Spektakel war dieser Dorf-Super-Bowl, wie ich ihn dann taufte, meilenweit entfernt.

Hinzu kam, dass das Spiel auf einem drittklassigen Sender namens Versus (der wurde berühmt, als er nach dem NHL-Streik/Lockout der einzige Sender war, der Eishockey übertragen wollte) gezeigt wurde. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die für die Senderechte zahlen mussten, aber wenn doch, dann taten sie alles um ihr Geld per Werbepausen wieder reinzuholen.

Auf dem Spielfeld stand in jeder Pause - und davon gibts beim Football viele - ein Männchen mit überdimensionalen orangen Handschuhen. Der zeigte dem Schiri dann an, wanns weitergehen konnte. Anscheinend stellten sie irgendwann fest, dass sie das übertrieben; die erste Halbzeit dauerte nämlich fast zwei Stunden (normal ist es eine gute...) und in der zweiten ging es dann oftmal flott weiter (das orange Handschuhmännchen winkte hektisch, was einigermaßen lustig aussah). Ich fürchte ja, dass man irgendwann beim Fußball auch noch Werbe-Timeouts einführt, nachdem man den Fernsehsendern alles andere schon offenbart hat (Spieltermine u.a.). Aber gottseidank ist es noch nicht so weit.

Die Liga, deren Leitspruch "It's all for U" (grob übersetzt: alles für den Fan) ist, zog sich dann auch noch den Unmut aller zu (das mit den Werbepausen hat anscheinend nur den deutschen Teil der Zuschauer - also uns fünf - gestört): In der NFL hängt hinter den Toren ein Netz, das dem bei einem Touchdown folgenden Kick den Ball auffängt, so dass er nicht ins Publikum geht. Das Netz gabs hier nicht. Das führte zu zwei Sachen:

1. der Fan stellt sich so auf, dass er möglichst einen Ball fängt; hab ich natürlich auch und offensichtlich stand ich goldrichtig, da der Ball direkt zu mir segelte. Ich wehrte ihn jedoch mit dem kleinen Finger ab, was mir neben einer Prellung die Einsicht bescherte, dass es mit einer Karriere als Wide Receiver in der NFL auch nix mehr wird, und meine Laune damit noch mehr in den Keller ging (also wegen der Prellung; mit der fehlenden NFL-Eignung hatte ich mich schon lang abgefunden *g*).

2. irgend ein Fan den von mir abeklatschten Ball fing, überglücklich war, bis ein Ordner ihm den wieder abnahm und nach unten aufs Spielfeld warf. Das war offensichtlich ne vorher an die Ordner gegebene Anweisung, denn richtig begeistert sah der Mann von seiner Aufgabe nicht aus; später wiederholte sich das, bis ihm ein Fan den Ball, den er heroisch auf Kosten eines Rippenbruchs (so sah es jedenfalls aus) gefangen hatte, nicht gab, sondern in einen anderen Block warf. Sehr lustig, aber dem Fan brachte es nen Stadionverweis ein und die komplette Kurve buhte den Ordner aus.

Soviel dazu, dass alles für den Fan gemacht wird. Die Kosten für die Liga, die im ersten Jahr stolze 30 Millionen Verlust eingefahren hat, wären im kompletten Spiel fünf Bälle gewesen. Aber soooo viel will man dann doch nicht für den Fan machen.

Das Spiel gewannen übrigens letztendlich die Las Vegas Locos in der Verlängerung (als ob sich das Spiel nicht schon lang genug hingezogen hätte), was von offiziell 14801 Zuschauern (da müssen noch die zwei Tickets von mir aus dem Müll abgezogen werden...) mehr oder weniger begeistert aufgenommen wurde. Wir fanden diese Zahl lächerlich und ebenso der örtliche Zeitungsschreiber, der 8000 Zuschauer schätzte. Das könnte eher hinkommen, dürfte aber auch noch zu hoch sein. Die Pokalübergabe war dann vor höchstens 3000 Fans, da viele sofort nach Schlusspfiff (oder schon weit vorher) fluchtartig das Stadion verließen. Mittlerweile waren nämlich vier Stunden rum und das war ne gute Stunde länger als üblich und fanverträglich.

Inwieweit sich die Liga hält, bleibt abzuwarten. Nächstes Jahr wollen sie ihren Verlust halbieren (15 Mio sind auch noch genug, aber dafür behalten sie wohl wieder ihre Bälle) und mit dann 6 Teams jeweils 10 Spiele machen. Ich tippe mal drauf, dass sie entweder in zwei Jahren im Frühjahr spielen oder es die Liga in drei Jahren nicht mehr gibt; und wir beim ersten und einem der einzigen Dorf-Super-Bowls waren.

Fazit: sollte ich nochmal die Chance auf ein UFL Spiel haben, würde ich gehen. Aber nur noch umsonst. Ansonsten ziehe ich ein Club-Heimspiel vor (wenns vielleicht nicht grad wie das gegen Freiburg läuft, aber das kann man sich ja nicht aussuchen)...

Samstag, 31. Oktober 2009

Süßes und Saures: FCN-Werder Bremen 2:2

Ein Spiel, von dem ich im Vorfeld nicht die Welt erwartete, das dann aber mitriss und schließlich alle Höhen und Tiefen durchschritt. Passend zum heutigen Halloween-Motto.

Auch diesmal waren auf dem Weg zum Stadion nur wenige Gästefans zu erspähen. Die einzig „Grünen“ waren die mehr oder weniger freundlich dreinblickenden Ordnungshüter, die den Fußweg zwischen Consumenta und Frankenstadion säumten. Der Gästeblock war dann aber doch erstaunlich gut gefüllt – wie auch der Rest des Stadions.

Bremen hatte ja vor der Saison seinen Besten – enfant terrible Diego – abgegeben. Der trifft jetzt für Juventus Torin äh Turin oder bringt die Fans durch nicht immer nachvollziehbare Äußerungen in Rage. Je nach Tagesform. Um das zu verschmerzen durfte sich Bremen 25 Millionen aufs Konto buchen lassen (zumindest mussten sie ihn nicht an die Bayern verkaufen, was ja lange im Raum stand).

Die Ablöse wurde zum Teil halbwegs sinnvoll wieder investiert – für Marin, Pizzaro und Moreno. Letzterer hat nicht wirklich eingeschlagen, aber der Rest taugt soweit. Bremen hat sich für dieses Jahr auch mehr als den 10. Platz vorgenommen, der nach einem enttäuschenden letzten Bundesligajahr (den DFB-Pokal-Sieg mal ausgenommen) übrig blieb. Mittlerweile haben sich die Bremer auch wieder im Bereich der Tabellenspitze festgesetzt und das mit schön anzusehendem Offensivfussball.

So musste man von einer weiteren Niederlage des Clubs zu Hause ausgehen. Die Buchmacher hatten für Bremen die niedrigste Siegquote der bisherigen Gästeteams notiert.

Nach einer sehr nett anzusehenden, aber für mich nicht nachvollziehbaren Choreo (SO 1?; S04? muss bleiben – vielleicht kann mir ja jemand helfen; Bild anbei), gings dann überraschend los. Trainer Schaaf, der auf die Stürmer Almeida und Pizza Ro verzichten musste, hatte wohl eine „Schau mer mal“-Taktik ausgegeben. So stellten Naldo und Mertesacker in der ersten Minute einen neuen Rekord im Doppelpass-Spiel auf: geschätzte 10 Mal ging der Ball zwischen den beiden hin und her, bis sich doch mal ein Club-Angreifer dazu durchringen konnte, einzugreifen. Das führte zu einem Befreiungsschlag, der jedoch prompt zurückkam. Naldo – wohl aufgrund des gedeckten Doppelpassempfängers Mertesacker – entschloss sich zu einem Rückpass auf Tim Wiese.

Bevor es weitergeht noch ein kurzer Einschub zu Tim Wiese. Den konnte ich noch nie leiden (gut – soo lang kenn ich ihn noch nicht; erst seit er für Lautern im Kasten stand). Der ist, was Michael Mittermeier so schön als „AK“ umschreibt. Selbstkritik ist für ihn ein Fremdwort und sein Anspruch ist immer noch, dass er Nationaltorhüter sein sollte. Das mag so sein, aber zum Glück ist er es nicht für Deutschland. Neulich hab ich mal gelesen, dass er bei Gerry – Spitzname „Tarzan“ – Ehrmann (Lauterer Torwartlegende aus den 80ern) in die Lehre ging; der Autor merkte auch gleich an, dass sich die beiden vom (fehlenden) IQ her auch ziemlich ähnlich wären. Das hab ich jetzt aber nur angefügt, weils meine Meinung bestätigt hat.

Der Rückpass von Naldo auf den verhinderten Nationaltorhüter gerät jedenfalls recht holprig und kurz. Eigler spritzt dazwischen und Wiese stürmt auf den Ball zu…und vorbei. Eigler kann sein Glück kaum fassen und schiebt den Ball hinter dem liegenden Keeper locker ins Tor. Ich geb mal 60 % der Schuld Naldo für den schlechten Pass, den Rest hat sich Wiese verdient. Jedenfalls ein überragender Start für den Underdog.

Bremen übernimmt wütend das Spiel, ohne jedoch richtig gefährlich zu werden. Trotzdem manchmal nett anzusehen, was da im Mittelfeld veranstaltet wird.

Ihre Schwäche bei Rückgaben und hohen Bällen behielt die Bremer Hintermannschaft jedoch bei. Bunjaku einmal der Nutznießer in der 12. Minute, doch Wiese klärt gegen den frei vor ihm auftauchenden Stürmer.

In der 14. dann überschwänglicher Jubel nach einem Mintal Tor. Bis Schiri Winkmann auf Handspiel entschied. Als nur wenige Sekunden später der Grasallergiker Diekmann sich nach einer Grätsche gelb einhandelte, war die Stimmung endgültig aufgeheizt. Mit teilweise frag- und merkwürdigen Entscheidungen (aus Clubsicht muss das natürlich heißen: „die schwarze Sau pfeift alles gegen uns!“) schaffte er es auch im weiteren Spielverlauf, dass er die Wahl zum liebsten Schiri der Clubfans auf einem der letzten Plätze abschließen würde.

Das Spiel schaffte es trotzdem (oder deswegen?) sehr unterhaltsam zu sein. Bremen mit teilweise schönen Kombinationen, jedoch mit einer Ausnahme ohne zwingende Chancen. Der Club hielt mit Kampf dagegen und erarbeitete sich die besseren Möglichkeiten: Kluge mit einem unhaltbaren Hammer an den rechten Pfosten und Mintal, der freistehend aus schlechtem Winkel weit verzieht.

In der 33. gabs schließlich Ecke für den Club von der linken Seite. Die Entscheidung war umstritten und Borowski, der sich nebenan warmlief, wollte den Ball zunächst nicht herausgeben. Er hatte wohl schon eine Vorahnung. Schließlich durfte Frantz doch die Kugel nach innen treten – und Bunjaku köpfte Richtung langer Pfosten. Dort stand aber Thorsten Frings, der klärte. Dachte ich zunächst. Doch Schiri Winkmann entscheidet auf Tor – und liegt nach Ansicht diverser Wiederholungen diesmal richtig. Frings hatte seinen rechten Fuß deutlich hinter der Linie und der Ball war mit kompletten Durchmesser (nicht: Umfang – regt mich immer wieder mal bei Reportern auf) im Tor. 2:0 für den Club und keiner hatte es erwartet.

So gings auch in die Halbzeit. In der Pause gabs wieder keine schwachsinnigen Spielchen. Eigentlich schade – die benachbarten Icetigers bieten ein dümmliches Reise-nach-Jerusalem an, das nur erträglich ist, wenn man auf die Teilnehmer wettet; dafür ein Interview mit einem Nürnberger (Frau) und Bremer (Mann) Ehepaar in spe. Die hatten am Abend Polterabend. Ich hab mich ernsthaft gefragt, wie die Spielbesuch und Polterabend am gleichen Tag auf die Reihe bringen wollen. Aber vielleicht waren ja nur 5 Gäste angekündigt.

In der zweiten Hälfte gings ähnlich los wie in der ersten: die Bremer Abwehr wusste immer noch nicht, was sie mit langen Bällen anfangen soll und so gabs die nächste Clubchance, die jedoch wiederum AK Wiese klärt.

Im Anschluss wurde Bremen druckvoller und viele hatten den Schmerzensschrei schon auf den Lippen, als Naldo nach einer Ecke gegens Lattenkreuz köpft. Gerade nochmal gut gegangen. Naldo fehlte sofort hinten, denn der vorbildlich eingeleitete Konter lief zügig an: Kluge (sehr umsichtig und gut diesmal) lief rechts auf und davon. Als der letzte Bremer zu ihm zieht, passt er mit Übersicht in die Mitte auf den mitgeeilten Mintal. Der scheint aber prompt stehenzubleiben. Das Phantom ist leider seit Spielen abgetaucht, aber jetzt hat er ja die Chancen, das Spiel endgültig zu entscheiden und sowas wird er sich ja nicht entgehen lassen.

Leider ist er mittlerweile jedoch so langsam, dass zwei Bremer aufschließen. Die lässt er aussteigen und schießt dann – wieder mal – Wiese an. Ein etwas kläglicher Abschluss einer guten Ausgangssituation.

Mittlerweile gings abwechselnd rauf und runter – ein ausgeglichenes und sehr unterhaltsames Spiel. Eine Schäferparade wird von einer Chance auf der anderen Seite abgelöst. In der 60. zeigt Andi Wolf dann, dass er auch bei Bremen in der Abwehr spielen könnte: eine Kopfballrückgabe zu Schäfer misslingt ihm gründlich, der ansonsten über weite Strecken enttäuschende angehende Nationalspieler Özil lupft über Schäfer – und trotzdem geht der Ball nicht rein. Judt klärt nämlich mit viel Übersicht auf der Linie (der süß-Teil seines Auftritts…).

In der 71. gabs schließlich doch den verdienten Anschlusstreffer für die Fischköpfe. Nach einem Stellungsfehler auf der rechten Abwehrseite kommt ein Bremer ungehindert zur Flanke und Hunt köpft ein. Ich hatte irgendwie erwartet, dass Schäfer noch hinkommt, aber anscheinend war der Ball zu platziert.

Bremen drängte jetzt auf den Ausgleich. Erneut Hunt (der ansonsten aber nicht so stark wie Marin auf links war) mit einem Schuss übers Tor und Borowski, der freistehend Schäfer in der Tormitte anköpft, vergeben die besten Möglichkeiten.

Schiri Winkmann zieht sich mit 3 Minuten Nachspielzeit schließlich zum letzten Mal den Unmut der Clubfans zu. Aber so lange hätte es gar nicht gebraucht, denn…

…Juri Judt (mit seiner sauren Aktion…) hatte einen absoluten „Brainfart“ (so nennen die Amis eine geistige Auszeit; wörtlich übersetzt „Gehirnfurz“ – nichts trifft diese Aktion besser): auf der rechten Seite will er den Ball klären, da der ein oder andere Bremer um ihn rumsteht. So weit, so gut. Bereits in der E-Jugend lernt man, dass man unter keinen Umständen in die Mitte „klärt“. Befreiungsschlag nach vorne, nach rechts zum Einwurf, selbst mit der Hacke zur Ecke – alles mehr oder weniger gute Optionen. Aufs eigene Tor oder halbhoch in die Mitte schießen – unter allen Umständen vermeiden.

Leider führt dieser Brainfart zum Ausgleich: schon wieder Aaron Hunt lässt sich aus 18 Metern nicht lange bitten und hämmert den Ball in den rechten Winkel. Raphael Schäfer bringt Juri Judt die goldene Regel nochmal deutlich und lautstark näher – jedoch zu spät. Der Schaden ist da und der Club muss sich mit einem Punkt begnügen.

Aufgrund des Spielverlaufs wohl durchaus in Ordnung, aber letztendlich doch enttäuschend. Überall um mich rum war nur noch „Mann mann mann“ zu hören und das triffts wohl am besten.

Ich hatte übrigens noch andere Titel ins Auge gefasst: "So geht Fussball heute" (als es noch nach Heimsieg aussah - als Anspielung auf den grammatikalisch fragwürdigen Werbespruch auf den Bremer Trikots, bei dem ich zum Glück nicht weiß, welche Bank dahinter steht - bin ein Fernseh- aber kein Werbungskind); außerdem "die Zähmung der Fischköpfe", aber das hatte sich mit dem Ausgleich ja auch erledigt - daher jetzt das Halloween Motto.

Ich kann jetzt jedenfalls schon mal die Winterpause einläuten. Werde, so wie es aussieht, die letzten beiden Heimspiele gegen Freiburg (Viva Las Vegas) und Hamburg (Jagd) verpassen. Aber das kostet mich wahrscheinlich weniger Nerven als heute…

Sonntag, 18. Oktober 2009

Das Comeback der Hoffnung: FCN-Hertha BSC 3:0

Ein richtungsweisendes Duell stand diesmal auf dem Programm: der Aufsteiger und Tabellenvorletzte FCN gegen den Vorjahresvierten und gleichzeitig Tabellenletzten Hertha BSC Berlin. Ohne näher hinzuschauen wäre die Platzierung des Hauptstadtclubs eigentlich unglaublich.

Aber Ruhm ist auch im Fußball vergänglich und bei näherem Hinsehen lassen sich diverse Änderungen zur Vorsaison erkennen, die den Absturz zumindest in Teilen erklärbar machen: der (13-)langjährige Manager Dieter Hoeneß hatte kleinere Erfolge nach Berlin gebracht, aber wohl das kaufmännische Talent seines Bruders nur bedingt geerbt. Anders lassen sich die 33 Millionen Euro Schulden (laut Vorschauheft der Sport Bild) vermutlich kaum erklären. Nach seinem Abgang durfte jetzt Michael Preetz ran, der sich
nach seiner Spielerkarriere sechs Jahre lang tieferen Einblick ins Management verschafft hatte und jetzt befördert wurde. Mit der Bürde in Form einer Auflage vom DFB, einen Transferüberschuss von knapp 6 Millionen Euro zu erwirtschaften. So wurden mit Voronin, Simunic und Marko „ich-schieß-und-verschieß-den-Elfer-auch-wenn-mirs-der-Trainer-vorher-verboten-hat“ Pantelic drei Leistungsträger abgegeben. Gebracht hats ein paar Euro in die Vereinskasse und den letzten Tabellenplatz. Aber zumindest ich hätte dem letztgenannten Egomanen keine Träne nachgeweint, wenn ich Herthaner wäre.

Der Zuschauerschnitt sank angesichts der miserablen Leistungen von 57000 auf gerade so kalkulierte 44000 – und Trainer Lucien Favre wurde durch Friedhelm Funkel ersetzt. Favre hatte den Fans, die befürchtet hatten, dass Platz 4 nicht zu wiederholen sei, versprochen, dass man weiter gute Leistungen zeigen werde. Das hat auch gleich so gut geklappt, dass er entlassen wurde. Man hoffte also mit der altbekannten Taktik der bisherigen Auswärtsteams zum Erfolg zu kommen (Trainerwechsel vor Auswärtsspiel beim Club; siehe Hannover und Bochum).

So war ich denn auch gespannt, wie viele Berliner die geschätzten fünf Stunden Busfahrt auf sich nahmen. Bereits in der U-Bahn fielen mir die ersten beiden mit Bierflaschen bewaffneten Anhänger der Herthaner auf – das hatte ich bislang noch gar nicht. Auch der Messeparkplatz war überfüllt mit fremden Kennzeichen…allerdings von Teilnehmern an einer Automesse, wie ich dann schnell erkannte. Will wohl doch nicht jeder zum absoluten Kellerduell der Bundesliga.

Auf dem Weg dann ein Berliner Fanbus (siehe Bild). Allerdings war der, genauso wie ein zweiter daneben, eigentlich für Stadtrundfahrten in der Hauptstadt gedacht. War ein gerissener Verantwortlicher einfach auf die grandiose Idee gekommen, aufgrund Fanmangels einen Touri-Bus zu entführen und die Insassen zwangsweise zum Auswärtsspiel vorzuführen? Angesichts der Lage wärs ja fast verständlich.

In der Kurve aber letztendlich doch lauter „freiwillige“ Anhänger der Herthaner. Schade. Die allerdings auch nicht besonders zahlreich – geschätzt ungefähr so viele (wenige passt hier wohl besser) wie vor Wochen Bochumer und ähnlich blau gewandet. Sie hatten ein ziemlich großes, um nicht zu sagen riesiges, Transparent mit der Aufschrift „In Gedenken an Carsten Grab“ im Oberrang aufgehängt. Toller Vorname dachte ich mir, aber ansonsten konnte ich nix mit dem Namen anfangen. Eine Google-Suche hilft hier weiter: es handelt sich um den ehemaligen Fanbeauftragten der Hertha, der sich im Oktober 2000 aus immer noch ungeklärten Gründen vor eine U-Bahn warf. Die blöden Einfälle, die mir dazu einfallenn, lass ich mal weg. Ansonsten Respekt, dass auch 9 Jahre nach dem Tod des Manns noch Fans sein Andenken bewahren.

Gespielt wurde übrigens auch.

Und das aus Clubsicht endlich richtig gut. Eigentlich zum ersten Mal bei einem Spiel, bei dem ich anwesend war (Gladbach hatte ich ja aus „persönlichen Gründen“ ausgelassen). Von Beginn an dominierte der Club wie zum Teil bei besten Spielen letztes Jahr in der zweiten Liga. Wunderschöne Kombinationen – hauptsächlich über die linke Seite mit Mike Frantz. Die Hertha dagegen war gedanklich wohl noch in der Kabine und kam zu kaum nennenswerten Aktionen.

Bereits in der 6. Minute legte Frantz, nachdem er zwei Herthaner an der rechten Torauslinie stehen ließ, perfekt flach auf den 16er ab, doch es kam nur ein Schüßchen heraus. Das rüttelte die Hertha aber auch nicht auf und so ging es für den Club wunderbar eintönig weiter: das Spiel spielte sich komplett in der Berliner Hälfte ab und in der 18. Minute wurde dieser schon vergessen geglaubte Wirbel mit einem Tor von Gygax gekrönt, der den dritten Herthaner Torhüter Burchert tunnelte.

Der Club ließ auch in der Folge nicht locker und wurde kurz darauf erneut belohnt: der genannte Keeper Burchert, bereits in einem vorhergehenden Spiel aufgrund seiner fehlenden Torwartkünste negativ aufgefallen, wollte einen Abstoß schnell ausführen. Er passte zu einem Mitspieler, der ca. 20 m vor dem Tor, lose umringt von drei Clubspielern in unmittelbarer Nähe, mit dem Rücken zum Spielgeschehen stand. Frantz erkämpft sich vor diesem den Ball, überläuft einen Gegenspieler und steht plötzlich halblinks vor Burchert. Er kann überlegt (so heisst es zumindest, wenns klappt; andernfalls: „warum spielt der Depp noch ab?“) quer auf Bunjaku geben, der sauber ins lange Eck vollendet. Absolut verdient 2:0.

Hier jetzt die gefährlichen Chancen der Hertha in der ersten Halbzeit:


Fertig. Zwei magere Schüsschen grobe Richtung Tor, die man getrost als harmlos bezeichnen kann. Kurz vor der Halbzeit haben wir zur Sicherheit die Feldspieler der Berliner durchgezählt. Man hatte konstant das Gefühl, dass sie nur zu acht spielten, da es im Club-Angriff haufenweise ungedeckte Feldspieler gab, jedoch von der Hertha auch niemand vorne rumstand. Sehr seltsam und von Erstliganiveau so weit entfernt wie im Moment Unterhaching.

In der zweiten Halbzeit gab es wohl eine deutliche Ansprache von Friedhelm Funkel, einen Motivationstanz oder etwas ähnliches in der Art. Was es auch war- man hatte das Gefühl, dass die Mannschaft in der zweiten Halbzeit zur Abwechslung auch Fußball spielen wollte, was von ihnen in der ersten Hälfte nicht mal im Ansatz anzusehen war. Unterstützt wurde dies durch die Einwechslung von Adrian Ramos, einem kolumbianischen Stürmer, der zuvor beim weltbekannten Club Corporacion Deportiva America de Cali (Amerika kenn ich und Deportiva La Coruna auch, den Rest nicht) kickte und getrost als bester Spieler der Berliner geehrt werden kann. Aber er hatte ja kaum Konkurrenz.

Plötzlich gab es auch Berliner Pässe mit mehr als einer Station und das ein oder andere war nett anzusehen…aber harmlos und ohne nennenswerten Abschluss blieb es trotzdem. Die beste Chance nach der Hälfte hatte dann wiederum ein Clubberer mit Marek Mintal. Das Phantom ließ halblinks einen Abwehrspieler stehen und hatte freie Schussbahn aus 16 Metern. Früher hätte er sich sowas nicht entgehen lassen. Diesmal verzieht er und schießt links am Tor vorbei.

Auf der Tribüne waren wir uns einig, dass der Club noch ein Tor braucht. Konnte sich zwar keiner vorstellen, wie Hertha überhaupt ein, geschweige denn zwei, Tore schießen will, aber ich sag nur Pferde und kotzen. Die Bedenken wurden jedoch kurz darauf ad acta gelegt: Bunjaku verwandelte eine sehr schöne Ablage vom bemühten, aber anderweitig glücklosen, Eigler. 3:0 und die Messe war gesungen,wie mein Nebenmann so schön feststellte.

Vom Hertha-Block hörte man übrigens ab der Halbzeit gar nix mehr. Wahrscheinlich waren sie nach der Regionalliga-würdigen Vorstellung ihres Teams in der ersten Hälfte dermaßen sauer, dass sie jeglichen Support einstellten. Ich kanns ihnen nicht verdenken. Oder es waren doch nur entführte Hauptstadttouristen.

In der 72. durften sie zumindest kurz noch auf den Ehrentreffer hoffen. Bei einem Freistoß in guter Position zeigte Raphael Schäfer, dass er seine Auflaufprämie diesmal nicht nur durch Abstöße verdient hat, und fischte einen von uns vermutet sicher im Winkel einschlagenden Ball heraus. Nicht umsonst der Spieler des Jahres letzte Saison.

Der Club kam letztlich zu einem ungefährdeten, auch in dieser Höhe eindeutig verdienten, 3:0. Wir hatten ja immer noch gehofft, dass die bisherige Torbilanz aus acht Spielen (!) mit vier Treffern in diesem Spiel verdoppelt wird. Hat nicht ganz geklappt, aber das hat den Sieg kein bißchen getrübt. So waren endlich wieder mal trotz des Winterwetters freudige Gesichter auf dem Heimweg zu sehen (von den paar Berlinern, die mir über den Weg liefen, mal abgesehen). Bleibt abzuwarten, ob es nur am grottigen Gegner lag oder der Club tatsächlich auf dem richtigen Weg ist. Ein Fingerzeig wird wohl das Spiel in Hoffenheim nächste Woche werden, denen man im Pokal nicht wirklich ebenbürtig war.

Und weils bisher so selten war: diverse Clubspieler beim Torjubel nach dem 1-0…

Samstag, 26. September 2009

Der Himmel stürzt ein – FCN-VfL Bochum 0:1


Ich mach mir ja im Vorfeld Gedanken, wie ich so einen Blog anfange (das kommt jetzt wahrscheinlich für einige überraschend). Mir fielen die Trikots der Bochumer ein, die auch gewaschen so ausschauen, als ob sie bereits jahrelang heftigste Fußballkämpfe durchgestanden hätten. Für mich mit die tollste Idee der letzten Jahre, was Laiberl (wie der Österreicher so schön sagt) angeht. Einzig der Hauptsponsor „netto“ klingt irgendwie billig. Aber das ist die Bochumer Mannschaft ja auch im ligaweiten Vergleich.

Oder Herbert Groenemeyer, den ich ab und an wirklich gern auflege (also seine CDs, um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen). Die Liveversion seiner inoffiziellen Vereinshymne „Bochum“ hatte ich vor weit über 10 Jahren mal die komplette Fahrt zum Spiel Bayern-VfL über angehört. Das wär nichts besonderes, wenn man in einem Münchner Vorort wohnt, aber ich hatte 2,5 Stunden Anreise. Um der alten Zeiten willen hatte ichs gestern nochmal eingelegt vor der (vieeeel kürzeren) Fahrt zum Spiel.

Letztendlich fiel es mir während des Spiels aber deutlich auf: Bochum hatte sich einfach Videos der beiden Club-Heimniederlagen gegen Schalke und Hannover besorgt und deren Spielweise kopiert. Unfassbar, aber es führte letztendlich zum gewünschten Ergebnis für die Bochumer – dem in der Überschrift genannten Zitat aus Asterix.

Aber von Anfang an: wie Hannover vor seinem Auswärtsspiel in Nürnberg, so hatten wohl auch die Bochumer Vereinsbosse ein flaues Gefühl im Magen. Der bei den Fans schon lange nicht mehr geliebte Trainer Marcel Koller wurde daher nach der Heimpleite gegen Hamburg in der Vorwoche in Windeseile entlassen, damit der neue – Interimscoach Frank Heinemann – genug Zeit für die Vorbereitung auf das wichtige Spiel im Abstiegskampf hat. Selbst das Pokalspiel gegen Schalke – immerhin ein Revierderby – wurde mehr oder weniger kampflos 0:3 abgeschenkt, um die Konzentration nicht zu mindern.

Vor dem Spiel fiel mir übrigens auf meiner üblichen Route Messe-Stadion nicht ein einziger Bochumer Fan auf und auch die fanfreundschaftlich verbundenen Bayernfans waren nirgends zu erblicken. Im Block fanden sich dann aber doch ein paar aus dem Revier – die Stehplätze waren zu zwei Dritteln lose gefüllt und auf der Sitzplatztribüne drüber fanden sich nochmal zwei Autos voll. Da gabs ja selbst mehr Hannoveraner Auswärtsfans und das waren schon wenig. Aber der ungeliebte Freitagabend lädt ja auch nicht grade zu 10 Stunden langen Fahrten ein. Und dem Aufschwung mit neuem Coach vertrauten wohl auch nicht viele. Außerdem hatte Bochum in drei Auswärtsspielen gerade mal ein Tor geschossen, dabei acht kassiert, und 0 Punkte geholt. Selbst für optimistische Zeitgenossen nicht unbedingt ein Anreiz zu weiten Reisen.

Beim Club fehlte der „Aufstiegssturm“ Eigler / Boakye verletzungsbedingt; wobei es wohl auch leistungsbedingt kaum für beide einen Platz in der Startformation gegeben hätte. Bislang ist die Leistung für die erste Liga einfach nicht ausreichend – aber da sind sie ja nicht die einzigen im Team.

Zum Aufwärmen wurde ein Video der Bochumfahrt 99 eingespielt: Andi Köpke, Sascha Ciric & Corth äh Kurth gewannen 3:0 gegen regenbogenfarben gekleidete Bochumer (die waren trikottechnisch schon immer innovativ, aber die Faber Dinger waren trotzdem nicht hübsch anzusehen). Jetzt stellte sich mir die Frage, obs von den Spielen danach kein Video gibt oder die einfach nur aus Clubsicht unschön waren bzw. es für den Club nix zu holen gab. Aber irgendwer hat sich sicher was dabei gedacht, genau dieses Spiel auszuwählen und mir fehlt grad eine ewige Ergebnisübersicht gegen Bochum, um nachzusehen, wie die Spiele in der Zwischenzeit verliefen.

Das Spiel begann schließlich mit einem druckvollen Heimverein; anscheinend wollte man diesmal die patentierte - aber erfolglose – Verzögerungstaktik über Bord schmeissen. Bochum hingegen kam in den ersten Minuten nur einmal vors Nürnberger Tor…und traf.

Nach schöner Vorarbeit auf der rechten Seite und einer Verlängerung per Hakentrick (das soll ein Arbeiterverein im Tabellenkeller sein?) musste Diego Klimowicz nur noch aus drei Metern ins leere Tor schieben. Das hätte ich auch unfallfrei geschafft, aber für Bochum war das Ziel erstmal erreicht. Auswärts als Außenseiter (ja, der Club kann auch mal bei den Buchmachern Favorit sein!) früh in Führung gehen.

Ein Catenaccio des VfL war zu befürchten – und kam letztendlich auch. Wie schon Schalke und Hannover stellten sie sich hinten rein, machten die Räume eng und warteten erst mal ab, was Nürnberg so zu bieten hatte. Und das war nicht wenig: Fehlpässe, Missverständnisse, Ideenlosigkeit – um nur einige zu nennen. Zwar hatte man ein optisches Übergewicht, aber irgendwie scheiterte man spätestens am 16er. Keine Schüsse aufs Tor waren das Ergebnis, lediglich ein paar daneben oder drüber.

Jetzt ist so ein Tor 17,68 qm groß (grade ausgerechnet) und lediglich ein einzelner Keeper ist im Weg – in dem Fall Luthe, von dem ich bis dahin auch noch nie gehört hatte. Trotzdem schaffte es der Club ein ums andere Mal, den dritten (!) Torhüter der Bochumer nicht zu prüfen.

Zu allem Überfluss musste dann wieder mal Andi Wolf verletzungsbedingt raus in der 25.; für ihn kam Maroh, der 86 % aller Zweikämpfe bisher gewonnen hat. Diese wertvolle Information wurde in Form von „easy-credit Livefacts“ eingeblendet. Da drängen sich gleich mehrere Fragen auf:

86 % sind sicher gut. Nehmen wir mal an. Wieso sitzt der Mann dann nur auf der Bank?

Wen interessieren zu diesem Zeitpunkt solche Statistiken? Oder zu irgendeinem Zeitpunkt?

Wieviel Geld zahlt easy-credit für den Unsinn?

Wie hoch ist die Quote der anderen Spieler und vor allem…

Wieso gewinnt man mit solchen Werten keinen Blumentopf?

Aber schön, dass wir drüber gesprochen haben. Ähnlich sinnlos fand ich gestern übrigens die Einblendung der Schussgeschwindigkeiten von Areva auf zwei größeren elektronisch betriebenen Tafeln, die jeweils an den Eckfahnen der Haupttribünenseite standen.

Eine der wenigen gefährlichen Situationen, ein Hammer an den Pfosten (35. Minute), wurde mit 55 km/h gemessen. Das sah mit Sicherheit jeder im Stadion anders, aber ein Werbeträger mehr für den Club, auch wenn er noch so falsch und nutzlos ist.

Zur Halbzeit gabs dann das lauteste Pfeifkonzert bisher. Irgendwie hatte man auch nicht das Gefühl, als könnte es in der zweiten Hälfte besser werden. Ich hatte übrigens im Vorfeld überlegt, auf weniger als drei Tore in dem Spiel zu wetten. Gelassen habe ich es, weil ich mir ziemlich sicher war, dass der Knoten beim Club platzt und die allein drei Stück schießen. In der Halbzeit fiel mir daher wieder auf, dass mein Fußballsachverstand nicht wirklich groß sein kann, wenn ich mit meinen Prognosen derart daneben liege.

In Hälfte zwei gab es bis zur Einwechslung von Risse keine nennenswerten Torchancen – und noch weniger Paraden der beiden Torhüter. Bochum wurde wohl von ihrem Coach in der Halbzeit noch einmal der „Schalker Weg“ eingeimpft: die Bochumer Betreuer wurden im Spiel insgesamt sieben Mal (!) auf den Platz gerufen, weil sich angeblich ein Spieler verletzt hatte. Irgendwann dämmerte es dem Schiri auch mal, dass es sich um chronische Fälle von Hypochondrie handeln könnte und er unterband eine Behandlung, als erneut ein Bochumer am Boden lag. Der erholte sich schließlich auch auf wundersame Weise binnen kürzester Zeit.

In der 64. Minute brachte Oenning für den angeschlagenen Kluge Marcel Risse. Einhellige Meinung – der reisst es auch nicht raus. Und tatsächlich: kaum auf dem Platz, passt er sich dem allgemeinen Niveau an und verliert bei einem Sturmlauf sofort den Ball. Anschließend ein Fehlpass und er war nicht mehr zu sehen.

Zur Aufheiterung des tristen Spiels gabs noch einen Livefact von easy-credit: 61 % Ballbesitz für den Club. Ja Wahnsinn! Die oben erwähnten Fragen drängten sich erneut auf. Leider immer noch keine Antworten.

Mehr oder weniger sang- und klanglos endete das Spiel mit drei Minuten Nachspielzeit. Der Club konnte nicht, Bochum war zufrieden mit drei – wahrscheinlich auch für sie selbst - unerwarteten Punkten.

Ein Großteil der Club-Anhänger hielt es schon vor dem Schlusspfiff nicht mehr auf seinen Plätzen aus. Aus den Äußerungen konnte man schließen, dass der gallische…äh…fränkische Himmel tatsächlich einstürzt. Positiv bleibt festzuhalten, dass grade mal ein gutes Fünftel der Saison absolviert ist. Negativ, dass von dem eigtl. nicht allzu schweren Auftaktprogramm (von Bayern und Stuttgart auswärts mal abgesehen) kaum Punkte hängen geblieben sind und man sich fragen lassen muss, gegen wen man denn gewinnen will, wenn nicht gegen Bochum oder Hannover zu Hause.

Zum Abschluss gibt’s den feiernden Bochumer Block, der für die weite Anreise ausreichend entschädigt wurde…

Donnerstag, 24. September 2009

Klassenfahrt nach Berlin wegen ungenügender Leistung gestrichen: FCN vs 1899 0-1

Gern denken Club-Fans zurück an den 26.05.07: der FCN feierte den größten Erfolg der jüngeren Vereinsgeschichte (wobei jung hier relativ ist – der vorherige Titel der Meisterschaft 1968 stammt ja schon aus einer Zeit, als sich meine Eltern noch nicht kannten...) und gewann den DFB-Pokal gegen Meisterfeier-müde Stuttgarter.

Das scheint eine Ewigkeit her zu sein – dazwischen ein Ab- und sofortiger Wiederaufstieg. Überhaupt scheint der Club ja ein Talent für Abstiege nach Titeln zu haben – immerhin sind sie immer noch der einzige Verein, dem das Kunststück gelang, nach der Meisterschaft im folgenden Jahr abzusteigen.

Nach einem durchwachsenen Ligastart findet man sich diese Saison kurz vor der Abstiegszone wieder. Da sorgte die Erinnerung an den Sieg vor zwei Jahren und eine Abwechslung zum grauen Ligaalltag im Pokal für Hoffnung bei den Anhängern. Die erste Hürde Dresden wurde im August – zumindest für mich erstaunlich - locker genommen und ein Bundesligaduell gegen 1899 Hoffenheim stand an. Zudem noch zu Hause, was die Erfolgsaussichten deutlich erhöhte.

Das Dauerkartenbesitzervorkaufsrecht (mit Sicherheit das längste Wort in diesem Eintrag) sicherte mein Ticket für den stolzen Preis von 23 Euro. Quasi knapp der doppelte Preis eines Ligaheimspiels; aber man hats ja. Allerdings anscheinend nicht jeder, denn die Zuschauerzahl betrug gerade mal gut 26000 Zuschauer und das gegen einen attraktiven Erstligisten. Nachdem alle in meiner Fahrgemeinschaft aufgeklärt wurden, gegen wen der FCN heute antrat („Hoffenheim...das sind die Blauen“), konnte es dann losgehen.

Der vom SAP-Gründer gepushte Dorfverein schickte denn auch geschätzt ein Fünftel seiner Einwohnerzahl zur Unterstützung nach Nürnberg. Der „Hurra, das ganze Dorf ist da“ – Gesang findet hier endlich mal seine Berechtigung. Laut Wikipedia hat Hoppen...äh....Hoffenheim 3263 Einwohner und der Gästeblock war gut gefüllt, so dass wohl nicht mehr allzu viele zu Hause saßen.

Die Platzwahl ging gleich mal wieder verloren und so musste der Club ungewohnterweise zuerst in Richtung Nordkurve spielen. Die Hoffenheimer Formation war mit lautmalerisch netten Namen wie Demba Ba, Maicosuel und Chinedu Obasi gespickt. Das klingt auch irgendwie besser als Maroh, Kluge oder Broich. Aber die erstgenannteren haben ja nicht zuletzt deswegen ihr eigenes Lied der Sportfreunde Stiller („Alles Roger“) bekommen.

Leider spielten die Hoffenheimer von Anfang an so schön, wie ihre Namen klingen. Sehenswerte Kombinationen zwangen den wieder einmal besten Nürnberger Raphael Schäfer zu einigen Glanzparaden. Demba Ba zeigte, dass er wohl nie als „Kopfballungeheuer“ ausgezeichnet wird und vergab aussichtsreich zwei Mal hintereinander aus aussichtsreicher Position.

Vom Club war bis dahin - und leider auch danach - nach vorne nichts zu sehen. Keine Chancen, sondern lediglich kampfstarkes Aufbäumen gegen den Spielfluss der Badener (oder Württemberger? Erdkunde war noch nie meine Stärke...).

In der 35. Minute gabs letztendlich doch den verdienten Führungstreffer für Hoffenheim nach einer Ecke durch ein Tor von Kapitän Nilsson. Der zeigte seinem stürmenden Kollegen Ba, wie so ein Kopfball tatsächlich funktioniert und ließ seinen Gegenspieler wie ein unsichtbares Phantom aussehen.

Mein Highlight bis dahin gabs dann in der Halbzeit. Bei den – eigentlich immer ungewollt -witzigen Interviews wurde ein Fan gefragt, ob das jetzt nicht ein bißchen viel Fußball wäre mit zwei Heimspielen in einer Woche. Als Antwort kam, dass das einzige Problem im Moment das fehlende Tor wäre und man ja spielerisch durchaus mithalten könne. Schöne Antwort, nur leider halt nicht auf die gestellte Frage und ich frag mich jetzt noch, wie man das Spiel bis dahin aus Nürnberger Sicht so optimistisch beurteilen konnte, da der Club einiges an Kampf zeigte, aber von „spielerisch mithalten“ absolut keine Rede sein konnte.

Das Interview wurde offensichtlich auch in der Hoffenheimer Kabine eingespielt, da deren Spieler nach der Halbzeit anscheinend noch diesen letzten Nürnberger Fan von ihrer Überlegenheit überzeugen wollten. Die dunkelhäutige Fraktion spielte auf, als wäre sie Brasilien bei einem Freundschaftsspiel gegen die Ukraine (Kurzer Blick nach Kiew, wo sich jetzt fassungslose Nationalspieler fragen, was sie denn angestellt haben...) und es brannte lichterloh vor Raphael Schäfer. Doch der klärte...und parierte...und hielt. Ich mache hier mal ernsthaft den Vorschlag, die Auszeichnung zum „Spieler des Jahres“ jetzt schon zu vergeben. Ich kann mir nicht vorstellen, wer den noch überholen soll in den restlichen 28 Spielen.

Dazwischen hatte der Club auch mal sein erstes „Chance-chen“ durch Schubo, der jedoch einen Kopfball neben das Tor setzte. Ansonsten war er durchaus einsatzwillig, aber irgendwie hatte man das Gefühl, dass er noch nicht so recht wusste, wo er hinlaufen soll. Seine Laufwege waren durchweg nicht kompatibel zu den Pässen seiner Mitspieler, was zu einigen Missverständnissen führte. Gute Ansätze zeigte er allemal und den Vorzug vor Eigler bzw. Boakye dürfte er für die nächste Zeit zurecht bekommen.

Nachdem sich Hoffenheim 15 Minuten -nur durch Raphael Schäfer gestört- austoben durfte, kam auch der Club ab und an mal über die Mittellinie. Und in der 73. Minute war es endlich soweit: der erste Schuss des FCN auf das Hoffenheimer Tor, bei dem Hildebrand klären musste. Und weils so schön war, gabs kurz darauf gleich noch eine zweite Parade des verhinderten Nationaltorhüters zu sehen. Dank der Ungefährlichkeit der Nürnberger Mannschaft lässt sich jetzt schlecht beurteilen, wie gut Hildebrand wirklich ist. Dazu waren die Prüfungen einfach zu selten. Nur so als Anmerkung: ich frag mich immer noch, warum den die Bayern nicht letztes Jahr holten. Das konnte mir da schon keiner erklären und jetzt immer noch nicht.

Ab der 85. Minute schienen auch die Clubspieler realisiert zu haben, dass man bei einem Rückstand zum Spielende aus dem Pokal ausscheidet. Es folgte ein fünfminütiges Anrennen (acht – wenn man die Nachspielzeit einrechnet), bei dem sogar Raphael Schäfer anlässlich einer Ecke im Hoffenheimer Strafraum auftauchte. Diese Phase führte zu einigen kleineren Torgelegenheiten, jedoch zu keinem zählbaren Erfolg.

Hoffenheim ist damit verdient eine Runde weiter und feierte sich trikotwerfend in der Südkurve (als ob der Erfolg irgendwie unerwartet gekommen wäre). Der FCN kann sich jetzt voll auf den Abstiegskampf konzentrieren (die meistgehörte Floskel nach dem Spiel); ein Klassenunterschied war jedoch deutlich sichtbar. Aber in Nürnberg gibts ja (zum Glück) auch keine Abhängigkeit zu Hopp’ schen Millionen, sondern ehrliche Arbeit (wenn man Fußball als Arbeit betrachtet). Hoffenheim wird um den internationalen Wettbewerb mitspielen, der Club doch wohl eher nicht (aber das hatte ja auch niemand erwartet). Trotzdem wäre eine Berlinfahrt durchaus schön gewesen...

Samstag, 19. September 2009

Das laufende Tagebuch vom Derby: FCB-FCN 2-1

Heute mal was Neues: im Heimspielblog gibt’s ein Auswärtsspiel. Aber ist ja nur um die Ecke – in München. Vorab waren wir Club-Anhänger uns einig, dass es da wohl nicht allzu viel zu erben gibt. Trotzdem bin ich gespannt. Als Konferenzliebhaber verzichte ich ausnahmsweise auf diese Option und stattdessen wird heute mal ein Einzelspiel – DAS Spiel für Clubfans diese Hinrunde – auf Sky geschaut. Dazu gibt’s ein „running diary“ wie der Ami sagt – also ein laufendes Tagebuch.

Aus der Vorberichterstattung wissen wir, dass der Kölner Trainer nicht zufrieden ist im Moment, aber noch Hoffnung hat. Aha. Außerdem wurde der Kaiser nochmal mit dem hilfreichen Tipp an Klinsi letzte Saison eingespielt, dass er nicht saufen und dann heimfahren soll. Würde wohl immer noch gelten, nur reden die beiden vermutlich nicht mehr ganz so oft miteinander. Soll uns recht sein.

Nerlinger freut sich auf einen „schönen Nachmittag“ und Bader sitzt zur Abwechslung mal auf der Bank neben Oenning (das wiederum gabs auf Bayern 1 zu hören). Soll Glück bringen und das braucht der Club wohl auch. Braucht er sich schon keine Karte zu kaufen – die sind ja auch nicht billig in München…

Die Überraschung dann in der Aufstellung: das Phantom taucht nicht auf dem Platz ab, sondern auf der Reservebank auf. Das haben wohl die wenigsten erwartet. Auch Ribery darf nicht ran am Anfang.

Wenn Wetten erlaubt wäre, hätte ich nen 5er auf Club +2 (also keine Niederlage mit 3 oder mehr Toren Unterschied) gesetzt bei einer 1,82er Quote. Mal sehen, ob ich reich werde (also rein hypothetisch natürlich *g*).

Andries Jonker, der mir bis gerade nicht bekannte Co der Bayern, erklärt auf holländisch, dass Ribery erst noch aufgebaut wird. So hab ichs jedenfalls verstanden. Vielleicht hat Ribery auch einfach keine Lust. War nur schwer zu kapieren als Franke.
Außerdem hofft er, dass sie das „Loch finden“. Ich nehme an, dass er noch über Fußball spricht, bin mir aber nicht mehr sicher.

Kommentator ist übrigens Fritz von Thurn und Taxis – im weiteren aufgrund seines blogunfreundlich langen Namens abgekürzt als FvTuT. Der ist nicht, wie man vermuten könnte, Bayern-Fan, sondern ein 60er Anhänger. Glaubt man nicht, wenn man seine Bayernübertragungen so hört. Club-Anhänger ist er jedenfalls sicher nicht. Meistens ist er ungewollt amüsant bei seinen Reportagen und ich bin vorsichtig gespannt.

Klose ist auch nur auf der Bank. Jeder der Bankdrücker wär wohl Leistungsträger beim Club. Zwei Welten.

Die Aufstellung der Franken ist auch durchaus interessant: Eigler im linken Mittelfeld (gut – laufen kann er ja; mit dem Tore schiessen haperts halt), Vidosic dafür allein im Sturm. Öfter mal was Neues. FvTuT fällt auf, dass die Mannschaft ungefähr so jung ist wie die von Heinz Höher im letzten Jahrtausend. Eigentlich eine Juniorenmannschaft plus Schäfer. Mir wird Angst. Aber es wird Zeit für den Anpfiff.

1992 gabs den letzten Clubsieg in München. Die Älteren werden sich erinnern – ich nicht. Hab aber bestimmt brav die Konferenz damals gehört. In den Zeiten der Sportschau ohne Werbung. Verdammt lang her.

Der kleine Bayernkapitän Phillip Lahm sieht aus wie ein Einlaufkind. Wer weiß wie lang sie suchen mussten, bevor sie ein Bambini fanden, das kleiner war als er.

Gleich mal die Platzwahl verloren; geht ja gut los. Der Schiri des Jahres 2008/09, Florian Meyer, darf das Spiel leiten – nach der Gedenkminute für den an der S-Bahn München-Solln erschlagenen Mann. Uli Hoeneß hält dazu eine wie ich finde gelungene kurze Ansprache, die beiderseits Applaus findet.

2. Minute: Immer noch kein Torschuss der Bayern und deutlich mehr Ballbesitz für sie. Ein kleiner Erfolg, wenn man überzeugte Bayern-Fans vorher gehört hat, die schon bis zur 15. Minute eine Drei-Tore-Führung prophezeit hatten.

Luca Toni hat gestern Regionalliga gespielt. Ein Fall wie vom Nürnberger Businesstower. Da kann er noch fünf Mal erklären, dass das ein Spaß mit Mehmet Scholl gewesen sei. Das Ergebnis bleibt FvTuT schuldig.

5. Minute: Der dritte „krasse Fehlpass in der Anfangsphase“ der Nürnberger. FvTuT sieht sich bestätigt, dass die jungen Clubberer nervös sein könnten. Wieso wohl, wenn man nur beim absoluten Meisterschaftsfavoriten auswärts antreten darf, dessen Bank soviel verdient wie die komplette eigene Mannschaft?

FvTuT verbessert Diekmeier auf Diekmann. Beim dritten Mal fällt ihm auf, dass das doch sehr seltsam klingt und verbessert sich wieder zurück auf Diekmeier. Wahrscheinlich hats ihm sein Regisseur eingeflüstert. High Comedy. So sieht also eine gute Spielvorbereitung aus.

8. Minute: Maroh will, dass Raphael Schäfer sein Geld auch wirklich verdienen muss und prüft ihn versehentlich mit einem schlampigen Rückpass. Wär fast ins Auge gegangen und sollte man wohl auch nicht allzu oft gegen die Bayern wagen.

Zehn Minuten rum und noch keine ernsthafte Gefahr – auf beiden Seiten. Schön hier auf der Couch, im Stadion hätte ich wohl schon mal gähnen müssen.

14. Minute: Der Club deutet die Taktik mal an. In der Abwehr den Ball abfangen und dann kick-and-rush auf Vidosic (den angeblich schnellsten Cluberer). War allerdings ein eher untauglicher Versuch diesmal.

16. Minute: Schäfer versucht zwei Mal zu klären und schafft es stattdessen Olic anzuspielen, der sich prompt mit einem Schuss aus gut 20 Metern von der linken Außenlinie revanchiert. Keine Glanztat von Schäfer nötig, aber zumindest mal ein Torschuss. FvTuT findet das Spiel bisher mäßig. Ausnahmsweise hat er mal Recht.

18. Minute: Endlich auch eine Clubchance: Eigler mit klugem Pass nach rechts in den Lauf von Risse. Der zieht etwas zu spät ab und der alte Mann Butt klärt zur Ecke, die aber richtig versemmelt wird. Dafür prüft Vidosic gleich nochmal Butt. Zwei Chancen in 60 Sekunden – der Club wacht auf.

20. Minute: Robben ist die deutsche Härte oder die Schiris noch nicht gewohnt: er reisst nach einem harmlosen Körperkontakt die Arme nach oben, um einen Freistoss zu kriegen. Sein fassungsloser Gesichtsausdruck, als das nicht klappt, ist unbezahlbar.

23. Minute: FvTuT hat sich jetzt doch auf die offizielle Aussprache „Diekmeier“ festgelegt. Schade – ich fand Diekmann auch gut. Bayern noch ohne echte Torchance und laut FvTuT „ist das die Wahrheit“. Warum sollte der Mann auch lügen?

Übrigens irgendwie irritierend, wenn man die Endergebnisse nicht kennt und offensichtlich im Stadion überraschende Zwischenstände eingeblendet werden. Leider liest die keiner für mich vor. Ich brauch einen Helfer hier…Bewerbungen bitte an…

26. Minute: Mal richtig Gefahr für den Club: Schweinsteiger mit einer weiten Flanke auf den zweiten Pfosten und Gomez verpasst den vor ihm aufspringenden Ball nur um Haaresbreite unter den Augen der staunenden Nürnberger Hintermannschaft.

30. Minute: Ein Drittel ohne Gegentor rum und mittlerweile sind auch FCN-Sprechchöre zu hören. Mal sehen, wann die Bayern-Fans zu pfeiffen beginnen. Irgendwie kann man sich trotzdem keinen Club-Sieg vorstellen…und prompt ein Bayern-Tor - das aber nicht zählt. Müller flankt und Gomez verwandelt. Denkt er, denn der Linienrichter zeigt richtig an, dass der Ball die Linie nicht mit vollem Durchmesser überschritten hat. Ich hasse Kommentatoren, die etwas von „vollem Umfang“ erzählen. Ich war ja nie gut in Mathe, aber selbst ich begreif das. FvTuT umgeht das elegant, indem er betont, dass der Ball "ganz" hinter der Linie sein muss.
Jetzt gibt’s gute Bayern Chancen im Minutentakt. Offensichtlich ist bei den Bayern jemand aufgefallen, dass man Tore schiessen muss, um zu gewinnen. Schäfer zeigt aber, wieso er der beste Torhüter der 2. Liga war.

35. Minute: FvTuT stellt fest, dass Schweinsteiger jetzt beweglicher ist. Zum einen frag ich mich, wie er das jetzt festgestellt hat so mitten im Spiel, und zum anderen, ob sich „Schweinigrippe“ (© Die Toten Hosen) wohl heimlich gedehnt hat. Mir fehlt eine Standleitung zu FvTuT, um sowas zu klären. Noch ein Verbesserungsvorschlag neben einem Ergebnisvorleser.

38. Minute: Schweinigrippe mit zwei schönen Schüssen hintereinander. Ich hätte ihn nicht provozieren sollen. Bayern führt mit 11-3 Torschüssen. Aha. Bringt ihnen aber auch nix - bis jetzt. Irgendwie hat man die Ahnung, dass es wohl nur ne Frage der Zeit ist, bis es einschlägt. Der Franke an sich ist ja sowieso eher pessimistisch eingestellt.

Eigler hat laut FvTuT bei Bielefeld „auch schon aus dem linken Mittelfeld heraus operiert“. Arzt ist er also ebenfalls noch – Respekt, zwei so anstrengende Berufe unter einen Hut zu bringen schaffen nicht viele.

Ein Kollege soll unbestätigten Gerüchten zufolge einen vierstelligen Betrag auf Bayern gesetzt haben – bei einer 1,2er Quote nicht grade verlockend. Ich kann mir seine Schweißperlen im Moment bildlich vorstellen. Für meinen rein hypothetischen 5er siehts dagegen im Moment (noch) gut aus.

44. Minute: Schöne Kombination der Bayern, die fast zum 1:0 geführt hätte. Schäfer lässt den vor ihm aufsetzenden Schuss nach vorne abprallen und hat Glück, dass kein Roter vor ihm steht, sondern ein Verteidiger klären kann.

Zur pünktlich abgepfiffenen Halbzeit stehts 0:0. Ein erster kleiner Erfolg für den Club. Trotzdem kann ich noch nicht so recht glauben, dass es was zu erben gibt am Ende.

Zur zweiten Halbzeit darf jetzt Ribery ran. Der Club wechselt noch nicht – das Phantom hütet noch die Bank. Oder bevölkert die Warmlaufzone nehm ich an.

49. Minute: Van Gaal erklärt Klose auf der Bank irgend etwas. Vermutlich soll er eingewechselt werden; Klose sieht so aus, als würde er angestrengt zuhören. Aber vielleicht spricht van Gaal auch holländisch mit ihm und Klose rätselt, was es morgen zum Essen gibt.

52. Minute: Eigler hat auch im Mittelfeld Probleme den Ball zu stoppen. Hoffentlich gelingt ihm das bei Blutungen besser. Das leitet eine Chance ein, bei der Schäfer Kopf und Kragen riskieren muss, um einen fast von Diekmeier an ihm vorbei gespitzelten Ball zu klären. Das Diekmeier kommt jetzt übrigens flüssig ohne Nachdenken. Schade.

55. Minute: Jetzt ist es soweit: Müller spielt auf wie sein Namensvetter vor gut 30 Jahren und narrt die halbe Hintermannschaft. Mit einem Tunnel-Pass bedient er Olic, der nur noch einschieben muss. Musste ja irgendwann kommen und plötzlich sind auch die Bayern-Fans wieder zu hören. Das laute Plumpsen war übrigens der zu Boden fallende Stein vom Herz des wettenden Kollegen.

57. Minute: Der Club muss jetzt wohl selbst mal was machen – und Vidosic entscheidet sich für ne halbe Schwalbe. Schon sein zweiter untauglicher Versuch; vielleicht sollte er sich mal stattdessen für einen Torschuss entscheiden.

Oenning schaut angeblich ratlos. Anscheinend wird überlegt, ob man Mintal für das Hoffenheim-, sowie das Bochum-Spiel schont. Sehr seltsam – das klingt nach freiwilliger Selbstaufgabe. Ist zum Glück nur die Meinung von FvTuT und nicht die offizielle Vereinsleitlinie.

Eine mutmachende Statistik: seit 2007 haben die Bayern laut FvTuT nicht mehr verloren, wenn sie geführt haben. Aber an einen Sieg glauben wohl sowieso nur die kühnsten Optimisten und wie bereits erwähnt gehören Club-Fans eigentlich nicht zu dieser Kategorie.

63. Minute: Die offizielle Zuschauerzahl wird von Stephan Lehmann (der ja nahtlos von Antenne Bayern zum Rentnersender Bayern 1 gewechselt ist) verkündet: sehr überraschend ausverkauft. Wer hätte das gedacht? Bestimmt nur, weil Oktoberfestauftakt ist…

Laut FvTuT „macht es keinen Sinn, das 0:1 zu verteidigen.“ Wahnsinnig treffende Analysen von dem Mann. Ich bin so froh, das miterleben zu dürfen. Risse darf jetzt raus und dafür kommt „Schubomoting“. So spricht sich Choupo-Moting jedenfalls laut FvTuT aus (ich könnts aber sicher auch nicht besser).

69. Minute: Mal sowas wie ein Club-Angriff. Eine leider sehr seltene Spezies und dann meistens kläglich vergeben – so auch hier. Schubo zeigt gute Ansätze – mal sehen, ob ich mir seine richtige Schreibweise einprägen muss. Dir oben hab ich vom Bildschirm abgeschrieben.

Ansonsten sieht es tatsächlich so aus, als ob der Club mit dem 0:1 zufrieden wäre. Sie stehen weiter hinten drin und hoffen auf Konter. Interessante Taktik. Kann mich nicht erinnern, wann das schon mal das gewünschte Ergebnis gebracht hat.

73. Minute: Wahnsinn – der Ausgleich für den Club. Gündogan zieht drei Bayern auf sich und passt auf den rechts durchstartenden Schubo. Der verwandelt eiskalt ins lange Eck. Damit hat wohl keiner gerechnet. Ein Punkt ist in Reichweite, wenns nicht Bayern – Club wäre.

Nach der Wiederholung muss ich mich korrigieren: Gündogan zieht sogar fünf Münchner auf sich. Ein Bayern-Sturmlauf in der letzten Viertelstunde ist zu erwarten.
FvTuT gönnts übrigens dem Club auch, weil er so taktisch brillant gespielt hat. Weltklasse. Im Stadion sind nur noch Clubfans zu hören, der Rest scheint geschockt oder gegangen zu sein.

77. Minute: Die Bayern finden sich nicht mit einem Punkt ab und berennen das Club-Tor. Schäfer klärt überragend – wieder einmal.
80. Minute: Pranjic, für schlappe 7,7 Millionen Ablöse geholt, flankt unbedrängt hinters Tor. Schön, dass es das auch auf diesem Niveau noch gibt. Van Gaal belohnt dies umgehend mit seiner Auswechslung.

82. Minute: Müller kämpft unablässig, Robben zeigt, warum er der Spieler des Jahres in der Bundesliga wird und van Buyten köpft unhaltbar ins lange Eck. So musste es ja kommen. Und schon sind die Bayern-Fans zurück im Stadion. Verdient ist die Führung allemal. Jetzt darf Bunjaku für Vidosic rein. Mmmmh – sieht jetzt wieder nicht nach Siegeswille aus, wenn man einen Stürmer für einen Stürmer bringt. Aber ich bin ja auch kein Trainer.

84. Minute: Schäfer hält wieder mal glänzend – auch laut FvTuT der beste Nürnberger – und verhindert die endgültige Entscheidung. Wobei beim Club nix mehr zu gehen scheint. Schauen stehend k.o. aus die Jungs.

88. Minute: Der FCB spielt jetzt sicher in der Abwehr hin und her, die Cluberer haben keine Kraft mehr, dagegen zu halten. Von mir aus (und wegen meiner hypothetischen 5 Euro) könnte jetzt Schluss sein, bevor noch so ein unnötiges Tor für die Bayern fällt.

Es geht jetzt nur noch rückwärts bei den Bayern. Eine Minute soll nachgespielt werden – laut FvTuT „muss auch nicht mehr sein“.

91. Minute: Noch einmal ein Müller-Schuss, den „der beste Nürnberger Schäfer“ zur Ecke klären darf. Da wird der Ball geblockt und der fehlerlose Schiri Meyer pfeifft pünktlich ab.

Letztendlich wieder keine Punkte und die Serie „auswärts ungeschlagen“ ist wie erwartet auch gerissen. Aber Spiele gegen Bayern auswärts gewinnt man halt nur selten und Punkte sind hier auch keine eingeplant gewesen. Mal sehen, was der Rest gemacht hat. Nach 2230 Worten ist jetzt Schluss für heute. Dienstag zum Pokalspiel wieder. Und Glückwunsch, falls Du alles gelesen hast…

Freitag, 18. September 2009

Wen interessiert ein 1:0 gegen Gladbach?

Die Überschrift jetzt bitte mal nicht falsch verstehen - mich interessierts üblicherweise schon, aber am letzten Samstag grade mal nicht. Mein Tag fing diesmal etwas früher an. An jedem anderen Samstagsspieltag fahre ich gegen 14 Uhr los und bin locker gegen 15 Uhr im Stadion.

Diesmal bin ich um 04:25 Uhr aufgewacht und konnte nicht mehr schlafen - vermutlich auch vor Aufregung. Was jedoch nicht mal periphär mit dem Club zusammenhing. Also gleich aufgestanden, ausgiebig rasiert (ist mir üblicherweise vor dem Spiel auch reichlich egal) und gegen 06:00 Uhr mit meinem Bruder losgefahren. Nicht Richtung Nürnberg, sondern gen Neustadt/Aisch.

Dort haben wir die letzten Kleinigkeiten (Lautsprecher) für die anstehende Veranstaltung abgeholt. Wer jetzt sagt: aber im Stadion hängen doch schon genug rum, der hat recht (nur der Klang ist oftmals beRAUSCHend).

Nach dem Aufbau gings zu Muttern frühstücken und in Schale werfen. Das Clubtrikot hatte Rotsperre und durfte im Schrank hängen bleiben. Stattdessen war schwarz angesagt.

Es gibt halt doch ein paar Sachen im Leben, die wichtiger als Sport sind und (m)eine Hochzeit gehört definitiv dazu. Nachdem der DFB unverständlicherweise bei der Terminierung des Spieltags keine Rücksicht auf dieses einschneidende Erlebnis genommen hat, musste ich in den bittersüßen Apfel beißen und verzichten. Meine nicht ernst gemeinte Anfrage, ob ich "mal kurz für 5 h weg könnte" wurde von meiner Braut mit einem "kein Problem - die Hochzeit steht; heirate ich da halt jemand anderes" gekontert. Auch die zweite Variante, der typisch fränkische Brauch der "Bräutigamsentführung" (ins Stadion natürlich...) wurde wieder verworfen. Aber war ja alles nicht wirklich ernst gemeint und ich hatte keine Bedenken, dass der Club-Sieg auch ohne mich gelingt. Was sollte an dem Tag auch schiefgehen?

Die zahlreiche Schar der Zuschauer schlug gegen 10 Uhr morgens im weiten Rund des Hofs auf. Im Gegensatz zu Heimspielen schienen alle nüchtern zu sein, was ich beim Club komplett ausschließe. Ein weiterer Unterschied: jeder Ankommende wurde mit Handschlag begrüßt. Ist halt doch eine familiärere Atmosphäre und nicht ganz so viele Teilnehmer (aber gefühlt nur ein paar weniger).

Anstoss schließlich um 10:30 Uhr mit dem musisch untermalten Einzug (nur die Einlaufkinder haben gefehlt, wär aber wohl unpassend gewesen) in die heimische Kirche. Gefühlt fast ausverkauft, Bombenwetter (auch außerhalb der Kirche) und gute Stimmung. Dem Sieg konnte fast nix im Weg stehen.

Die in Schwarz gekleideten Schieds...- äh Pfarrer (ja, wir haben uns gleich zwei geleistet) - leiteten den Ablauf souverän und ohne auffällige Schnitzer. Mit Ausnahme von vier gewollten Gesangseinlagen verhielt sich das Publikum erstaunlich ruhig. Kein "raus die Sau", "wir ham bezahlt" oder ähnliches. Erstaunlich. Bringt also doch was, wenn das Publikum handverlesen ist.

Der Auszug nach dem erwarteten Sieg unter "You'll never walk alone" geriet auch überraschend geordnet. Keiner stürmte den Rasen und auch auf das mittlerweile totgespielte "We are the champions" wurde glücklicherweise verzichtet.

Im hupenden Autokorso gings schließlich zur zweiten "Halbzeit" einige Kilometer entfernt. Selbst bei einem deutschen Weltmeistertitel 2010 gäbe es nicht so viele Pkw auf dieser Strecke. Zum Fenster hing jedoch keiner raus, soweit wir das vorne beurteilen konnten. Hier machte sich zum ersten Mal der Schlafmangel der Tage zuvor bemerkbar. Nach der ersten Anspannung mit 50 km/h 20 Kilometer zurücklegen ist ganz schön schwierig. Zum Glück hatten wir einen Fahrer engagiert.

An der neudeutsch genannten Location erwartete uns der Champagner in Form von Weinschorle. Den wer-trinkt-schneller-aus Wettbewerb gegen meine jetzt Frau (klingt auch ne Woche später noch ungewohnt) konnte ich haushoch gewinnen. Allerdings nicht ganz so schwer, wenn man weiß, dass sie keinen Alkohol trinkt (und mich trotzdem erträgt...).

Am Nachmittag konnte die Braut nicht verhindern, dass das ein oder andere Radio Bayern 1 spielte und von mehreren Besuchern umlagert wurde. Das tröstete die Jungs auch über das Fehlen von Sky ("Was? Skandal - wir fahren wieder") hinweg. Und ich wurde brandaktuell über den Club- und alle anderen Spielstände auf dem Laufenden gehalten.

Die Siegesfeier fiel anschließend perfekt aus. Gutes Essen in Hülle und Fülle, sowie das ein oder andere hochprozentige Getränk ließen den Tag und Abend zu einer rauschenden Veranstaltung gelingen.

Zu erwähnen ist noch ein Video mit Grußworten, die einige Gäste von hochrangigen Persönlichkeiten und Kollegen zusammengetragen hatten. Darunter fanden sich auch Kleeblatt-Spieler und -Verantwortliche (was mich freut, echte Club-Fans wahrscheinlich zum Veranstaltungsabbruch getrieben hätte), sowie Club-Trainer Oenning.

Der riet uns, "dem Club treu zu bleiben", was meine Frau mit einem ungläubigen Prusten kommentierte...

Sonntag, 23. August 2009

Welcome to the Abstiegskampf: FCN-H96 0-2

Auf gings zum ersten wichtigen Heimspiel gegen einen direkten Konkurrenten um einen Platz in der 2. Liga 2010/2011. Harald Schmidts "Lieblingsstadt" zu Gast in Nürnberg.

Den Weg von der Messe zum Stadion hab ich locker wieder für mich gewonnen - unzählige Familienväter mit Anhang und Kinder überholt. So kanns weitergehen. Waren ziemlich viele Menschen auf dem 20-minütigen Treck. Was ich auf dem kompletten Pfad nicht gesehen hab, waren Hannoveraner Anhänger. Langsam zweifel ich, ob der Verein außer Oliver Pocher noch andere Fans hat. Aber auch der ließ sich leider nicht blicken.

Im Stadionaußenbereich dann doch ein ganzer Fan mit einem schwarz-grünen TUI-Leibchen. Bin ich also doch nicht versehentlich zu einem Club-Trainingsspiel gegangen - beruhigend. Von meinem Platz ließ sich schließlich auch der komplette Hannoveraner Block betrachten. Sehr übersichtlich - da hatten etliche Zweitligaclubs mehr Anhänger dabei (siehe Bild). Andererseits hofft man ja in Nürnberg, dass der Gast heute auch freundlich auf den Weg in die Zweitklassigkeit geschickt wird. Im Innenraum hatte ich zunächst auch einige grüngewandete Anhänger erspäht. Hab mich schon gefragt, was die auf der Tartanbahn verloren haben - waren fast so viele wie im Gästeblock. Bei genauerem Hinsehen haben die sich dann als bezahlte "Anhänger" von sky entpuppt, deren dunkelgrüne Presseumhänge mich fatal an 96er Trikots erinnerten. Also doch nicht so viele Fans wie gedacht.

Trainer Hecking hatte überraschend am Mittwoch vor dem Spiel das Handtuch geworfen: ihm war die Unmöglichkeit der anstehenden Aufgabe bewusst geworden und so hatte er umweltfreundlich dem Mannschaftsbus einen weiteren Mitfahrer erspart.

Die Vorzeichen waren also klar: der Club gewinnt sein erstes Spiel im dritten Versuch und stürzt Hannover noch weiter in die Krise. Der in Hannover kurzerhand beförderte Co-Trainer Andreas Bergmann konnte es sich leisten, einen Ex-Nationalspieler (Mike Hanke) und einen Ex-Cluberer (Jacek Krzynowek) auf der Bank zu lassen. Überraschend, aber - wie sich später herausstellte - durchaus richtig.

Die ersten Chancen hatte - wie auch schon im ersten Heimspiel gegen Schalke - der Gast. Sah alles etwas zielstrebiger in Richtung Tor aus, auch wenn der Club Feldüberlegenheit hatte. Dennis Diekmeier, der im ersten Spiel noch als Marathonmann auf der rechten Seite eine Furche in den Rasen lief, probierts auch diesmal mehrmals. Aber erfolglos - er bleibt gleich zwei Mal am Gegenspieler hängen und auch der Rest seines Teams enttäuscht mit Fehlpässen oder glücklosen Angriffen. Einzig Schäfer (wer sonst?) zeigt Erstligareife. Er wurde nicht umsonst als "Torhüter des Jahres" der zweiten Liga ausgezeichnet.

Am 0-1 kann er trotzdem nix machen. Der alte Mann Jiri Stajner bekommt einen Pass von außen und stochert den Ball irgendwie vom 16er direkt neben den rechten Pfosten. Sehr schön gemacht und dazu auch noch ein bisschen verdient.

In der 25. Minute hatten endlich auch die Club-Fans etwas zu jubeln: nicht etwa ein Tor ihrer Lieblinge, sondern den Zwischenstand aus Mainz. Dort führte nämlich der Karnevalsverein gegen den wie immer erklärten Meisterschaftsfavoriten FC Bayern. Sehr schön, aber mir konnte keiner im Umfeld erklären, wieso man sich freut, wenn der direkte Konkurrent im Abstiegskampf gegen eine Mannschaft führt, gegen die man selbst wohl geschätzte 0 Punkte in zwei Spielen holt und man selbst wiederum gegen einen weiteren Konkurrenten im übersichtlichen Kreis der Abstiegskandidaten zurückliegt. Schulterzucken und ein "sind halt die Bayern" um mich rum. Sehr weitsichtig muss ich feststellen, aber man darf dem gemeinen Fußballfan auch nicht zu viel zumuten.

Auch beim 2-0 der Mainzer kurz drauf wird wieder munter gejubelt. Mir solls recht sein. Nur das Spiel des Clubs lässt keine Freudenausbrüche zu. Mit 0-1 gehts verdient in die Pause und zur locker 50 Mann zählenden Kloschlange. So geht die Unterbrechung auch rum und nächstes Mal gibts nix mehr zu trinken für mich. Wieder was gelernt.

In der zweiten Halbzeit wird alles besser - so die kollektive Stimmung. Nur auf dem Platz sieht man leider nix davon. Stajner ist es dann auch, der für die nächste Szene sorgt. Er spielt Pinola, der heute übrigens auch mal die Mittellinie überschreiten durfte, was ihm anscheinend eher liegt, einen Knoten in die Beine. Der fällt daraufhin um und sitzt auf dem Hosenboden. Stajner will an der Außenseite vorbei, was aufgrund des Winkels zum Tor nicht weiter tragisch gewesen wäre. Pinola nimmt sich jedoch wieder mal eine geistige Auszeit und robbt rückwärts in den Laufweg von Stajner. Bin mir nicht sicher, ob er hätte ausweichen können, wenn er gewollt hätte. Aber warum sollte er - so gibts berechtigt Elfmeter.

Stajner nimmt Ball und Glückwünsche entgegen - und trifft von ihm aus gesehen links oben. Allerdings hatte sich Pinola immer noch nicht mit dem Elfmeter gegen ihn abgefunden und war kurzerhand zu früh in den 16er gerannt. Also gibts Wiederholung. Und das ist wörtlich zu nehmen: Stajner probiert nochmal die selbe Stelle - und scheitert an Schäfer (leider fehlt auf dem Bild der Ball, der von der Latte verdeckt wird, nachdem Raphael pariert hat). Endlich mal Jubel aufgrund einer Clubaktion.

Jetzt geht ein Ruck durch die Mannschaft und alles wird besser. Zumindest war das die Hoffnung. Die Realität sah so aus, dass sich Hannover aufs Kontern verlegt und hinten sehr sicher steht. Sahen wesentlich routinierter aus als die Schalker zwei Wochen zuvor. Enke muss außer ein paar Abstößen vor den Augen seiner angeheirateten Familie (nehm ich mal an, dass die da waren - seine Frau ist aus der Gegend und war mal vor einigen Lebzeiten mit mir in einer Klasse) nix leisten. Im nächsten Leben werd ich Fußballtorwart gegen Gegner, die keinen Schuss aufs Gehäuse bringen.

Der Mann des Spiels sorgt dann kurz vor Schluss auch für die Entscheidung: der auffällige Stajner (nicht nur aufgrund seiner Haarpracht) tanzt im 16er einen Verteidiger aus und schießt anschließend durch zwei rot gekleidete Bewunderer durch grob vom Elfmeterpunkt ins Tor. Stajner ist übrigens ne ganze Woche jünger als ich. Vielleicht überleg ich mir das nochmal, ihn mit "alter Mann" zu titulieren. Jedenfalls der Schlusspunkt und damit verbunden das Abrutschen des Clubs auf den Relegationsplatz.

Ein absolut verdienter Auswärtssieg für eine Mannschaft, die so etwas Luft nach hinten gewinnt. Die gefühlt 10 mitgereisten Anhänger von Hannover sind auch komplett aus dem Häuschen und das zurecht.

Für den Club tritt jetzt das ein, wovor ich die Hardcore-Anhänger vor Saisonbeginn gewarnt hatte: im vermeintlich nicht allzu schweren Auftaktprogramm ("bei der Euphorie schlagen wir Schalke zu Hause", "Frankfurt hat uns schon immer gelegen - da gewinnen wir"; "Hannover ist auf dem Weg in die 2. Liga") kann man auch mal ohne viele Punkte bleiben. Die Frage ist, ob diese junge Mannschaft das auch mental verkraftet oder jetzt (noch) nervöser wird. Nächste Woche in Stuttgart wird sich schon mal zeigen, ob man sich hinten festsetzt. Überhöht sind die Erwartungen jetzt jedenfalls nicht mehr. Mir wäre wohler, wenn ich auf einen Abstieg des Clubs gewettet hätte. Das Geld würde jetzt gut investiert aussehen. Aber halt...hab ich ja ;)

P.S. Eine Choreo gabs übrigens diesmal nicht. Lediglich ein großes "Heimsieg"-Banner in der Nordkurve zwischen Ober- und Unterrang. Die Fans sollten Recht behalten - wenn sie denn Anhänger von Bochum, Mainz oder Bremen sind.

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