Samstag, 26. September 2009

Der Himmel stürzt ein – FCN-VfL Bochum 0:1


Ich mach mir ja im Vorfeld Gedanken, wie ich so einen Blog anfange (das kommt jetzt wahrscheinlich für einige überraschend). Mir fielen die Trikots der Bochumer ein, die auch gewaschen so ausschauen, als ob sie bereits jahrelang heftigste Fußballkämpfe durchgestanden hätten. Für mich mit die tollste Idee der letzten Jahre, was Laiberl (wie der Österreicher so schön sagt) angeht. Einzig der Hauptsponsor „netto“ klingt irgendwie billig. Aber das ist die Bochumer Mannschaft ja auch im ligaweiten Vergleich.

Oder Herbert Groenemeyer, den ich ab und an wirklich gern auflege (also seine CDs, um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen). Die Liveversion seiner inoffiziellen Vereinshymne „Bochum“ hatte ich vor weit über 10 Jahren mal die komplette Fahrt zum Spiel Bayern-VfL über angehört. Das wär nichts besonderes, wenn man in einem Münchner Vorort wohnt, aber ich hatte 2,5 Stunden Anreise. Um der alten Zeiten willen hatte ichs gestern nochmal eingelegt vor der (vieeeel kürzeren) Fahrt zum Spiel.

Letztendlich fiel es mir während des Spiels aber deutlich auf: Bochum hatte sich einfach Videos der beiden Club-Heimniederlagen gegen Schalke und Hannover besorgt und deren Spielweise kopiert. Unfassbar, aber es führte letztendlich zum gewünschten Ergebnis für die Bochumer – dem in der Überschrift genannten Zitat aus Asterix.

Aber von Anfang an: wie Hannover vor seinem Auswärtsspiel in Nürnberg, so hatten wohl auch die Bochumer Vereinsbosse ein flaues Gefühl im Magen. Der bei den Fans schon lange nicht mehr geliebte Trainer Marcel Koller wurde daher nach der Heimpleite gegen Hamburg in der Vorwoche in Windeseile entlassen, damit der neue – Interimscoach Frank Heinemann – genug Zeit für die Vorbereitung auf das wichtige Spiel im Abstiegskampf hat. Selbst das Pokalspiel gegen Schalke – immerhin ein Revierderby – wurde mehr oder weniger kampflos 0:3 abgeschenkt, um die Konzentration nicht zu mindern.

Vor dem Spiel fiel mir übrigens auf meiner üblichen Route Messe-Stadion nicht ein einziger Bochumer Fan auf und auch die fanfreundschaftlich verbundenen Bayernfans waren nirgends zu erblicken. Im Block fanden sich dann aber doch ein paar aus dem Revier – die Stehplätze waren zu zwei Dritteln lose gefüllt und auf der Sitzplatztribüne drüber fanden sich nochmal zwei Autos voll. Da gabs ja selbst mehr Hannoveraner Auswärtsfans und das waren schon wenig. Aber der ungeliebte Freitagabend lädt ja auch nicht grade zu 10 Stunden langen Fahrten ein. Und dem Aufschwung mit neuem Coach vertrauten wohl auch nicht viele. Außerdem hatte Bochum in drei Auswärtsspielen gerade mal ein Tor geschossen, dabei acht kassiert, und 0 Punkte geholt. Selbst für optimistische Zeitgenossen nicht unbedingt ein Anreiz zu weiten Reisen.

Beim Club fehlte der „Aufstiegssturm“ Eigler / Boakye verletzungsbedingt; wobei es wohl auch leistungsbedingt kaum für beide einen Platz in der Startformation gegeben hätte. Bislang ist die Leistung für die erste Liga einfach nicht ausreichend – aber da sind sie ja nicht die einzigen im Team.

Zum Aufwärmen wurde ein Video der Bochumfahrt 99 eingespielt: Andi Köpke, Sascha Ciric & Corth äh Kurth gewannen 3:0 gegen regenbogenfarben gekleidete Bochumer (die waren trikottechnisch schon immer innovativ, aber die Faber Dinger waren trotzdem nicht hübsch anzusehen). Jetzt stellte sich mir die Frage, obs von den Spielen danach kein Video gibt oder die einfach nur aus Clubsicht unschön waren bzw. es für den Club nix zu holen gab. Aber irgendwer hat sich sicher was dabei gedacht, genau dieses Spiel auszuwählen und mir fehlt grad eine ewige Ergebnisübersicht gegen Bochum, um nachzusehen, wie die Spiele in der Zwischenzeit verliefen.

Das Spiel begann schließlich mit einem druckvollen Heimverein; anscheinend wollte man diesmal die patentierte - aber erfolglose – Verzögerungstaktik über Bord schmeissen. Bochum hingegen kam in den ersten Minuten nur einmal vors Nürnberger Tor…und traf.

Nach schöner Vorarbeit auf der rechten Seite und einer Verlängerung per Hakentrick (das soll ein Arbeiterverein im Tabellenkeller sein?) musste Diego Klimowicz nur noch aus drei Metern ins leere Tor schieben. Das hätte ich auch unfallfrei geschafft, aber für Bochum war das Ziel erstmal erreicht. Auswärts als Außenseiter (ja, der Club kann auch mal bei den Buchmachern Favorit sein!) früh in Führung gehen.

Ein Catenaccio des VfL war zu befürchten – und kam letztendlich auch. Wie schon Schalke und Hannover stellten sie sich hinten rein, machten die Räume eng und warteten erst mal ab, was Nürnberg so zu bieten hatte. Und das war nicht wenig: Fehlpässe, Missverständnisse, Ideenlosigkeit – um nur einige zu nennen. Zwar hatte man ein optisches Übergewicht, aber irgendwie scheiterte man spätestens am 16er. Keine Schüsse aufs Tor waren das Ergebnis, lediglich ein paar daneben oder drüber.

Jetzt ist so ein Tor 17,68 qm groß (grade ausgerechnet) und lediglich ein einzelner Keeper ist im Weg – in dem Fall Luthe, von dem ich bis dahin auch noch nie gehört hatte. Trotzdem schaffte es der Club ein ums andere Mal, den dritten (!) Torhüter der Bochumer nicht zu prüfen.

Zu allem Überfluss musste dann wieder mal Andi Wolf verletzungsbedingt raus in der 25.; für ihn kam Maroh, der 86 % aller Zweikämpfe bisher gewonnen hat. Diese wertvolle Information wurde in Form von „easy-credit Livefacts“ eingeblendet. Da drängen sich gleich mehrere Fragen auf:

86 % sind sicher gut. Nehmen wir mal an. Wieso sitzt der Mann dann nur auf der Bank?

Wen interessieren zu diesem Zeitpunkt solche Statistiken? Oder zu irgendeinem Zeitpunkt?

Wieviel Geld zahlt easy-credit für den Unsinn?

Wie hoch ist die Quote der anderen Spieler und vor allem…

Wieso gewinnt man mit solchen Werten keinen Blumentopf?

Aber schön, dass wir drüber gesprochen haben. Ähnlich sinnlos fand ich gestern übrigens die Einblendung der Schussgeschwindigkeiten von Areva auf zwei größeren elektronisch betriebenen Tafeln, die jeweils an den Eckfahnen der Haupttribünenseite standen.

Eine der wenigen gefährlichen Situationen, ein Hammer an den Pfosten (35. Minute), wurde mit 55 km/h gemessen. Das sah mit Sicherheit jeder im Stadion anders, aber ein Werbeträger mehr für den Club, auch wenn er noch so falsch und nutzlos ist.

Zur Halbzeit gabs dann das lauteste Pfeifkonzert bisher. Irgendwie hatte man auch nicht das Gefühl, als könnte es in der zweiten Hälfte besser werden. Ich hatte übrigens im Vorfeld überlegt, auf weniger als drei Tore in dem Spiel zu wetten. Gelassen habe ich es, weil ich mir ziemlich sicher war, dass der Knoten beim Club platzt und die allein drei Stück schießen. In der Halbzeit fiel mir daher wieder auf, dass mein Fußballsachverstand nicht wirklich groß sein kann, wenn ich mit meinen Prognosen derart daneben liege.

In Hälfte zwei gab es bis zur Einwechslung von Risse keine nennenswerten Torchancen – und noch weniger Paraden der beiden Torhüter. Bochum wurde wohl von ihrem Coach in der Halbzeit noch einmal der „Schalker Weg“ eingeimpft: die Bochumer Betreuer wurden im Spiel insgesamt sieben Mal (!) auf den Platz gerufen, weil sich angeblich ein Spieler verletzt hatte. Irgendwann dämmerte es dem Schiri auch mal, dass es sich um chronische Fälle von Hypochondrie handeln könnte und er unterband eine Behandlung, als erneut ein Bochumer am Boden lag. Der erholte sich schließlich auch auf wundersame Weise binnen kürzester Zeit.

In der 64. Minute brachte Oenning für den angeschlagenen Kluge Marcel Risse. Einhellige Meinung – der reisst es auch nicht raus. Und tatsächlich: kaum auf dem Platz, passt er sich dem allgemeinen Niveau an und verliert bei einem Sturmlauf sofort den Ball. Anschließend ein Fehlpass und er war nicht mehr zu sehen.

Zur Aufheiterung des tristen Spiels gabs noch einen Livefact von easy-credit: 61 % Ballbesitz für den Club. Ja Wahnsinn! Die oben erwähnten Fragen drängten sich erneut auf. Leider immer noch keine Antworten.

Mehr oder weniger sang- und klanglos endete das Spiel mit drei Minuten Nachspielzeit. Der Club konnte nicht, Bochum war zufrieden mit drei – wahrscheinlich auch für sie selbst - unerwarteten Punkten.

Ein Großteil der Club-Anhänger hielt es schon vor dem Schlusspfiff nicht mehr auf seinen Plätzen aus. Aus den Äußerungen konnte man schließen, dass der gallische…äh…fränkische Himmel tatsächlich einstürzt. Positiv bleibt festzuhalten, dass grade mal ein gutes Fünftel der Saison absolviert ist. Negativ, dass von dem eigtl. nicht allzu schweren Auftaktprogramm (von Bayern und Stuttgart auswärts mal abgesehen) kaum Punkte hängen geblieben sind und man sich fragen lassen muss, gegen wen man denn gewinnen will, wenn nicht gegen Bochum oder Hannover zu Hause.

Zum Abschluss gibt’s den feiernden Bochumer Block, der für die weite Anreise ausreichend entschädigt wurde…

Donnerstag, 24. September 2009

Klassenfahrt nach Berlin wegen ungenügender Leistung gestrichen: FCN vs 1899 0-1

Gern denken Club-Fans zurück an den 26.05.07: der FCN feierte den größten Erfolg der jüngeren Vereinsgeschichte (wobei jung hier relativ ist – der vorherige Titel der Meisterschaft 1968 stammt ja schon aus einer Zeit, als sich meine Eltern noch nicht kannten...) und gewann den DFB-Pokal gegen Meisterfeier-müde Stuttgarter.

Das scheint eine Ewigkeit her zu sein – dazwischen ein Ab- und sofortiger Wiederaufstieg. Überhaupt scheint der Club ja ein Talent für Abstiege nach Titeln zu haben – immerhin sind sie immer noch der einzige Verein, dem das Kunststück gelang, nach der Meisterschaft im folgenden Jahr abzusteigen.

Nach einem durchwachsenen Ligastart findet man sich diese Saison kurz vor der Abstiegszone wieder. Da sorgte die Erinnerung an den Sieg vor zwei Jahren und eine Abwechslung zum grauen Ligaalltag im Pokal für Hoffnung bei den Anhängern. Die erste Hürde Dresden wurde im August – zumindest für mich erstaunlich - locker genommen und ein Bundesligaduell gegen 1899 Hoffenheim stand an. Zudem noch zu Hause, was die Erfolgsaussichten deutlich erhöhte.

Das Dauerkartenbesitzervorkaufsrecht (mit Sicherheit das längste Wort in diesem Eintrag) sicherte mein Ticket für den stolzen Preis von 23 Euro. Quasi knapp der doppelte Preis eines Ligaheimspiels; aber man hats ja. Allerdings anscheinend nicht jeder, denn die Zuschauerzahl betrug gerade mal gut 26000 Zuschauer und das gegen einen attraktiven Erstligisten. Nachdem alle in meiner Fahrgemeinschaft aufgeklärt wurden, gegen wen der FCN heute antrat („Hoffenheim...das sind die Blauen“), konnte es dann losgehen.

Der vom SAP-Gründer gepushte Dorfverein schickte denn auch geschätzt ein Fünftel seiner Einwohnerzahl zur Unterstützung nach Nürnberg. Der „Hurra, das ganze Dorf ist da“ – Gesang findet hier endlich mal seine Berechtigung. Laut Wikipedia hat Hoppen...äh....Hoffenheim 3263 Einwohner und der Gästeblock war gut gefüllt, so dass wohl nicht mehr allzu viele zu Hause saßen.

Die Platzwahl ging gleich mal wieder verloren und so musste der Club ungewohnterweise zuerst in Richtung Nordkurve spielen. Die Hoffenheimer Formation war mit lautmalerisch netten Namen wie Demba Ba, Maicosuel und Chinedu Obasi gespickt. Das klingt auch irgendwie besser als Maroh, Kluge oder Broich. Aber die erstgenannteren haben ja nicht zuletzt deswegen ihr eigenes Lied der Sportfreunde Stiller („Alles Roger“) bekommen.

Leider spielten die Hoffenheimer von Anfang an so schön, wie ihre Namen klingen. Sehenswerte Kombinationen zwangen den wieder einmal besten Nürnberger Raphael Schäfer zu einigen Glanzparaden. Demba Ba zeigte, dass er wohl nie als „Kopfballungeheuer“ ausgezeichnet wird und vergab aussichtsreich zwei Mal hintereinander aus aussichtsreicher Position.

Vom Club war bis dahin - und leider auch danach - nach vorne nichts zu sehen. Keine Chancen, sondern lediglich kampfstarkes Aufbäumen gegen den Spielfluss der Badener (oder Württemberger? Erdkunde war noch nie meine Stärke...).

In der 35. Minute gabs letztendlich doch den verdienten Führungstreffer für Hoffenheim nach einer Ecke durch ein Tor von Kapitän Nilsson. Der zeigte seinem stürmenden Kollegen Ba, wie so ein Kopfball tatsächlich funktioniert und ließ seinen Gegenspieler wie ein unsichtbares Phantom aussehen.

Mein Highlight bis dahin gabs dann in der Halbzeit. Bei den – eigentlich immer ungewollt -witzigen Interviews wurde ein Fan gefragt, ob das jetzt nicht ein bißchen viel Fußball wäre mit zwei Heimspielen in einer Woche. Als Antwort kam, dass das einzige Problem im Moment das fehlende Tor wäre und man ja spielerisch durchaus mithalten könne. Schöne Antwort, nur leider halt nicht auf die gestellte Frage und ich frag mich jetzt noch, wie man das Spiel bis dahin aus Nürnberger Sicht so optimistisch beurteilen konnte, da der Club einiges an Kampf zeigte, aber von „spielerisch mithalten“ absolut keine Rede sein konnte.

Das Interview wurde offensichtlich auch in der Hoffenheimer Kabine eingespielt, da deren Spieler nach der Halbzeit anscheinend noch diesen letzten Nürnberger Fan von ihrer Überlegenheit überzeugen wollten. Die dunkelhäutige Fraktion spielte auf, als wäre sie Brasilien bei einem Freundschaftsspiel gegen die Ukraine (Kurzer Blick nach Kiew, wo sich jetzt fassungslose Nationalspieler fragen, was sie denn angestellt haben...) und es brannte lichterloh vor Raphael Schäfer. Doch der klärte...und parierte...und hielt. Ich mache hier mal ernsthaft den Vorschlag, die Auszeichnung zum „Spieler des Jahres“ jetzt schon zu vergeben. Ich kann mir nicht vorstellen, wer den noch überholen soll in den restlichen 28 Spielen.

Dazwischen hatte der Club auch mal sein erstes „Chance-chen“ durch Schubo, der jedoch einen Kopfball neben das Tor setzte. Ansonsten war er durchaus einsatzwillig, aber irgendwie hatte man das Gefühl, dass er noch nicht so recht wusste, wo er hinlaufen soll. Seine Laufwege waren durchweg nicht kompatibel zu den Pässen seiner Mitspieler, was zu einigen Missverständnissen führte. Gute Ansätze zeigte er allemal und den Vorzug vor Eigler bzw. Boakye dürfte er für die nächste Zeit zurecht bekommen.

Nachdem sich Hoffenheim 15 Minuten -nur durch Raphael Schäfer gestört- austoben durfte, kam auch der Club ab und an mal über die Mittellinie. Und in der 73. Minute war es endlich soweit: der erste Schuss des FCN auf das Hoffenheimer Tor, bei dem Hildebrand klären musste. Und weils so schön war, gabs kurz darauf gleich noch eine zweite Parade des verhinderten Nationaltorhüters zu sehen. Dank der Ungefährlichkeit der Nürnberger Mannschaft lässt sich jetzt schlecht beurteilen, wie gut Hildebrand wirklich ist. Dazu waren die Prüfungen einfach zu selten. Nur so als Anmerkung: ich frag mich immer noch, warum den die Bayern nicht letztes Jahr holten. Das konnte mir da schon keiner erklären und jetzt immer noch nicht.

Ab der 85. Minute schienen auch die Clubspieler realisiert zu haben, dass man bei einem Rückstand zum Spielende aus dem Pokal ausscheidet. Es folgte ein fünfminütiges Anrennen (acht – wenn man die Nachspielzeit einrechnet), bei dem sogar Raphael Schäfer anlässlich einer Ecke im Hoffenheimer Strafraum auftauchte. Diese Phase führte zu einigen kleineren Torgelegenheiten, jedoch zu keinem zählbaren Erfolg.

Hoffenheim ist damit verdient eine Runde weiter und feierte sich trikotwerfend in der Südkurve (als ob der Erfolg irgendwie unerwartet gekommen wäre). Der FCN kann sich jetzt voll auf den Abstiegskampf konzentrieren (die meistgehörte Floskel nach dem Spiel); ein Klassenunterschied war jedoch deutlich sichtbar. Aber in Nürnberg gibts ja (zum Glück) auch keine Abhängigkeit zu Hopp’ schen Millionen, sondern ehrliche Arbeit (wenn man Fußball als Arbeit betrachtet). Hoffenheim wird um den internationalen Wettbewerb mitspielen, der Club doch wohl eher nicht (aber das hatte ja auch niemand erwartet). Trotzdem wäre eine Berlinfahrt durchaus schön gewesen...

Samstag, 19. September 2009

Das laufende Tagebuch vom Derby: FCB-FCN 2-1

Heute mal was Neues: im Heimspielblog gibt’s ein Auswärtsspiel. Aber ist ja nur um die Ecke – in München. Vorab waren wir Club-Anhänger uns einig, dass es da wohl nicht allzu viel zu erben gibt. Trotzdem bin ich gespannt. Als Konferenzliebhaber verzichte ich ausnahmsweise auf diese Option und stattdessen wird heute mal ein Einzelspiel – DAS Spiel für Clubfans diese Hinrunde – auf Sky geschaut. Dazu gibt’s ein „running diary“ wie der Ami sagt – also ein laufendes Tagebuch.

Aus der Vorberichterstattung wissen wir, dass der Kölner Trainer nicht zufrieden ist im Moment, aber noch Hoffnung hat. Aha. Außerdem wurde der Kaiser nochmal mit dem hilfreichen Tipp an Klinsi letzte Saison eingespielt, dass er nicht saufen und dann heimfahren soll. Würde wohl immer noch gelten, nur reden die beiden vermutlich nicht mehr ganz so oft miteinander. Soll uns recht sein.

Nerlinger freut sich auf einen „schönen Nachmittag“ und Bader sitzt zur Abwechslung mal auf der Bank neben Oenning (das wiederum gabs auf Bayern 1 zu hören). Soll Glück bringen und das braucht der Club wohl auch. Braucht er sich schon keine Karte zu kaufen – die sind ja auch nicht billig in München…

Die Überraschung dann in der Aufstellung: das Phantom taucht nicht auf dem Platz ab, sondern auf der Reservebank auf. Das haben wohl die wenigsten erwartet. Auch Ribery darf nicht ran am Anfang.

Wenn Wetten erlaubt wäre, hätte ich nen 5er auf Club +2 (also keine Niederlage mit 3 oder mehr Toren Unterschied) gesetzt bei einer 1,82er Quote. Mal sehen, ob ich reich werde (also rein hypothetisch natürlich *g*).

Andries Jonker, der mir bis gerade nicht bekannte Co der Bayern, erklärt auf holländisch, dass Ribery erst noch aufgebaut wird. So hab ichs jedenfalls verstanden. Vielleicht hat Ribery auch einfach keine Lust. War nur schwer zu kapieren als Franke.
Außerdem hofft er, dass sie das „Loch finden“. Ich nehme an, dass er noch über Fußball spricht, bin mir aber nicht mehr sicher.

Kommentator ist übrigens Fritz von Thurn und Taxis – im weiteren aufgrund seines blogunfreundlich langen Namens abgekürzt als FvTuT. Der ist nicht, wie man vermuten könnte, Bayern-Fan, sondern ein 60er Anhänger. Glaubt man nicht, wenn man seine Bayernübertragungen so hört. Club-Anhänger ist er jedenfalls sicher nicht. Meistens ist er ungewollt amüsant bei seinen Reportagen und ich bin vorsichtig gespannt.

Klose ist auch nur auf der Bank. Jeder der Bankdrücker wär wohl Leistungsträger beim Club. Zwei Welten.

Die Aufstellung der Franken ist auch durchaus interessant: Eigler im linken Mittelfeld (gut – laufen kann er ja; mit dem Tore schiessen haperts halt), Vidosic dafür allein im Sturm. Öfter mal was Neues. FvTuT fällt auf, dass die Mannschaft ungefähr so jung ist wie die von Heinz Höher im letzten Jahrtausend. Eigentlich eine Juniorenmannschaft plus Schäfer. Mir wird Angst. Aber es wird Zeit für den Anpfiff.

1992 gabs den letzten Clubsieg in München. Die Älteren werden sich erinnern – ich nicht. Hab aber bestimmt brav die Konferenz damals gehört. In den Zeiten der Sportschau ohne Werbung. Verdammt lang her.

Der kleine Bayernkapitän Phillip Lahm sieht aus wie ein Einlaufkind. Wer weiß wie lang sie suchen mussten, bevor sie ein Bambini fanden, das kleiner war als er.

Gleich mal die Platzwahl verloren; geht ja gut los. Der Schiri des Jahres 2008/09, Florian Meyer, darf das Spiel leiten – nach der Gedenkminute für den an der S-Bahn München-Solln erschlagenen Mann. Uli Hoeneß hält dazu eine wie ich finde gelungene kurze Ansprache, die beiderseits Applaus findet.

2. Minute: Immer noch kein Torschuss der Bayern und deutlich mehr Ballbesitz für sie. Ein kleiner Erfolg, wenn man überzeugte Bayern-Fans vorher gehört hat, die schon bis zur 15. Minute eine Drei-Tore-Führung prophezeit hatten.

Luca Toni hat gestern Regionalliga gespielt. Ein Fall wie vom Nürnberger Businesstower. Da kann er noch fünf Mal erklären, dass das ein Spaß mit Mehmet Scholl gewesen sei. Das Ergebnis bleibt FvTuT schuldig.

5. Minute: Der dritte „krasse Fehlpass in der Anfangsphase“ der Nürnberger. FvTuT sieht sich bestätigt, dass die jungen Clubberer nervös sein könnten. Wieso wohl, wenn man nur beim absoluten Meisterschaftsfavoriten auswärts antreten darf, dessen Bank soviel verdient wie die komplette eigene Mannschaft?

FvTuT verbessert Diekmeier auf Diekmann. Beim dritten Mal fällt ihm auf, dass das doch sehr seltsam klingt und verbessert sich wieder zurück auf Diekmeier. Wahrscheinlich hats ihm sein Regisseur eingeflüstert. High Comedy. So sieht also eine gute Spielvorbereitung aus.

8. Minute: Maroh will, dass Raphael Schäfer sein Geld auch wirklich verdienen muss und prüft ihn versehentlich mit einem schlampigen Rückpass. Wär fast ins Auge gegangen und sollte man wohl auch nicht allzu oft gegen die Bayern wagen.

Zehn Minuten rum und noch keine ernsthafte Gefahr – auf beiden Seiten. Schön hier auf der Couch, im Stadion hätte ich wohl schon mal gähnen müssen.

14. Minute: Der Club deutet die Taktik mal an. In der Abwehr den Ball abfangen und dann kick-and-rush auf Vidosic (den angeblich schnellsten Cluberer). War allerdings ein eher untauglicher Versuch diesmal.

16. Minute: Schäfer versucht zwei Mal zu klären und schafft es stattdessen Olic anzuspielen, der sich prompt mit einem Schuss aus gut 20 Metern von der linken Außenlinie revanchiert. Keine Glanztat von Schäfer nötig, aber zumindest mal ein Torschuss. FvTuT findet das Spiel bisher mäßig. Ausnahmsweise hat er mal Recht.

18. Minute: Endlich auch eine Clubchance: Eigler mit klugem Pass nach rechts in den Lauf von Risse. Der zieht etwas zu spät ab und der alte Mann Butt klärt zur Ecke, die aber richtig versemmelt wird. Dafür prüft Vidosic gleich nochmal Butt. Zwei Chancen in 60 Sekunden – der Club wacht auf.

20. Minute: Robben ist die deutsche Härte oder die Schiris noch nicht gewohnt: er reisst nach einem harmlosen Körperkontakt die Arme nach oben, um einen Freistoss zu kriegen. Sein fassungsloser Gesichtsausdruck, als das nicht klappt, ist unbezahlbar.

23. Minute: FvTuT hat sich jetzt doch auf die offizielle Aussprache „Diekmeier“ festgelegt. Schade – ich fand Diekmann auch gut. Bayern noch ohne echte Torchance und laut FvTuT „ist das die Wahrheit“. Warum sollte der Mann auch lügen?

Übrigens irgendwie irritierend, wenn man die Endergebnisse nicht kennt und offensichtlich im Stadion überraschende Zwischenstände eingeblendet werden. Leider liest die keiner für mich vor. Ich brauch einen Helfer hier…Bewerbungen bitte an…

26. Minute: Mal richtig Gefahr für den Club: Schweinsteiger mit einer weiten Flanke auf den zweiten Pfosten und Gomez verpasst den vor ihm aufspringenden Ball nur um Haaresbreite unter den Augen der staunenden Nürnberger Hintermannschaft.

30. Minute: Ein Drittel ohne Gegentor rum und mittlerweile sind auch FCN-Sprechchöre zu hören. Mal sehen, wann die Bayern-Fans zu pfeiffen beginnen. Irgendwie kann man sich trotzdem keinen Club-Sieg vorstellen…und prompt ein Bayern-Tor - das aber nicht zählt. Müller flankt und Gomez verwandelt. Denkt er, denn der Linienrichter zeigt richtig an, dass der Ball die Linie nicht mit vollem Durchmesser überschritten hat. Ich hasse Kommentatoren, die etwas von „vollem Umfang“ erzählen. Ich war ja nie gut in Mathe, aber selbst ich begreif das. FvTuT umgeht das elegant, indem er betont, dass der Ball "ganz" hinter der Linie sein muss.
Jetzt gibt’s gute Bayern Chancen im Minutentakt. Offensichtlich ist bei den Bayern jemand aufgefallen, dass man Tore schiessen muss, um zu gewinnen. Schäfer zeigt aber, wieso er der beste Torhüter der 2. Liga war.

35. Minute: FvTuT stellt fest, dass Schweinsteiger jetzt beweglicher ist. Zum einen frag ich mich, wie er das jetzt festgestellt hat so mitten im Spiel, und zum anderen, ob sich „Schweinigrippe“ (© Die Toten Hosen) wohl heimlich gedehnt hat. Mir fehlt eine Standleitung zu FvTuT, um sowas zu klären. Noch ein Verbesserungsvorschlag neben einem Ergebnisvorleser.

38. Minute: Schweinigrippe mit zwei schönen Schüssen hintereinander. Ich hätte ihn nicht provozieren sollen. Bayern führt mit 11-3 Torschüssen. Aha. Bringt ihnen aber auch nix - bis jetzt. Irgendwie hat man die Ahnung, dass es wohl nur ne Frage der Zeit ist, bis es einschlägt. Der Franke an sich ist ja sowieso eher pessimistisch eingestellt.

Eigler hat laut FvTuT bei Bielefeld „auch schon aus dem linken Mittelfeld heraus operiert“. Arzt ist er also ebenfalls noch – Respekt, zwei so anstrengende Berufe unter einen Hut zu bringen schaffen nicht viele.

Ein Kollege soll unbestätigten Gerüchten zufolge einen vierstelligen Betrag auf Bayern gesetzt haben – bei einer 1,2er Quote nicht grade verlockend. Ich kann mir seine Schweißperlen im Moment bildlich vorstellen. Für meinen rein hypothetischen 5er siehts dagegen im Moment (noch) gut aus.

44. Minute: Schöne Kombination der Bayern, die fast zum 1:0 geführt hätte. Schäfer lässt den vor ihm aufsetzenden Schuss nach vorne abprallen und hat Glück, dass kein Roter vor ihm steht, sondern ein Verteidiger klären kann.

Zur pünktlich abgepfiffenen Halbzeit stehts 0:0. Ein erster kleiner Erfolg für den Club. Trotzdem kann ich noch nicht so recht glauben, dass es was zu erben gibt am Ende.

Zur zweiten Halbzeit darf jetzt Ribery ran. Der Club wechselt noch nicht – das Phantom hütet noch die Bank. Oder bevölkert die Warmlaufzone nehm ich an.

49. Minute: Van Gaal erklärt Klose auf der Bank irgend etwas. Vermutlich soll er eingewechselt werden; Klose sieht so aus, als würde er angestrengt zuhören. Aber vielleicht spricht van Gaal auch holländisch mit ihm und Klose rätselt, was es morgen zum Essen gibt.

52. Minute: Eigler hat auch im Mittelfeld Probleme den Ball zu stoppen. Hoffentlich gelingt ihm das bei Blutungen besser. Das leitet eine Chance ein, bei der Schäfer Kopf und Kragen riskieren muss, um einen fast von Diekmeier an ihm vorbei gespitzelten Ball zu klären. Das Diekmeier kommt jetzt übrigens flüssig ohne Nachdenken. Schade.

55. Minute: Jetzt ist es soweit: Müller spielt auf wie sein Namensvetter vor gut 30 Jahren und narrt die halbe Hintermannschaft. Mit einem Tunnel-Pass bedient er Olic, der nur noch einschieben muss. Musste ja irgendwann kommen und plötzlich sind auch die Bayern-Fans wieder zu hören. Das laute Plumpsen war übrigens der zu Boden fallende Stein vom Herz des wettenden Kollegen.

57. Minute: Der Club muss jetzt wohl selbst mal was machen – und Vidosic entscheidet sich für ne halbe Schwalbe. Schon sein zweiter untauglicher Versuch; vielleicht sollte er sich mal stattdessen für einen Torschuss entscheiden.

Oenning schaut angeblich ratlos. Anscheinend wird überlegt, ob man Mintal für das Hoffenheim-, sowie das Bochum-Spiel schont. Sehr seltsam – das klingt nach freiwilliger Selbstaufgabe. Ist zum Glück nur die Meinung von FvTuT und nicht die offizielle Vereinsleitlinie.

Eine mutmachende Statistik: seit 2007 haben die Bayern laut FvTuT nicht mehr verloren, wenn sie geführt haben. Aber an einen Sieg glauben wohl sowieso nur die kühnsten Optimisten und wie bereits erwähnt gehören Club-Fans eigentlich nicht zu dieser Kategorie.

63. Minute: Die offizielle Zuschauerzahl wird von Stephan Lehmann (der ja nahtlos von Antenne Bayern zum Rentnersender Bayern 1 gewechselt ist) verkündet: sehr überraschend ausverkauft. Wer hätte das gedacht? Bestimmt nur, weil Oktoberfestauftakt ist…

Laut FvTuT „macht es keinen Sinn, das 0:1 zu verteidigen.“ Wahnsinnig treffende Analysen von dem Mann. Ich bin so froh, das miterleben zu dürfen. Risse darf jetzt raus und dafür kommt „Schubomoting“. So spricht sich Choupo-Moting jedenfalls laut FvTuT aus (ich könnts aber sicher auch nicht besser).

69. Minute: Mal sowas wie ein Club-Angriff. Eine leider sehr seltene Spezies und dann meistens kläglich vergeben – so auch hier. Schubo zeigt gute Ansätze – mal sehen, ob ich mir seine richtige Schreibweise einprägen muss. Dir oben hab ich vom Bildschirm abgeschrieben.

Ansonsten sieht es tatsächlich so aus, als ob der Club mit dem 0:1 zufrieden wäre. Sie stehen weiter hinten drin und hoffen auf Konter. Interessante Taktik. Kann mich nicht erinnern, wann das schon mal das gewünschte Ergebnis gebracht hat.

73. Minute: Wahnsinn – der Ausgleich für den Club. Gündogan zieht drei Bayern auf sich und passt auf den rechts durchstartenden Schubo. Der verwandelt eiskalt ins lange Eck. Damit hat wohl keiner gerechnet. Ein Punkt ist in Reichweite, wenns nicht Bayern – Club wäre.

Nach der Wiederholung muss ich mich korrigieren: Gündogan zieht sogar fünf Münchner auf sich. Ein Bayern-Sturmlauf in der letzten Viertelstunde ist zu erwarten.
FvTuT gönnts übrigens dem Club auch, weil er so taktisch brillant gespielt hat. Weltklasse. Im Stadion sind nur noch Clubfans zu hören, der Rest scheint geschockt oder gegangen zu sein.

77. Minute: Die Bayern finden sich nicht mit einem Punkt ab und berennen das Club-Tor. Schäfer klärt überragend – wieder einmal.
80. Minute: Pranjic, für schlappe 7,7 Millionen Ablöse geholt, flankt unbedrängt hinters Tor. Schön, dass es das auch auf diesem Niveau noch gibt. Van Gaal belohnt dies umgehend mit seiner Auswechslung.

82. Minute: Müller kämpft unablässig, Robben zeigt, warum er der Spieler des Jahres in der Bundesliga wird und van Buyten köpft unhaltbar ins lange Eck. So musste es ja kommen. Und schon sind die Bayern-Fans zurück im Stadion. Verdient ist die Führung allemal. Jetzt darf Bunjaku für Vidosic rein. Mmmmh – sieht jetzt wieder nicht nach Siegeswille aus, wenn man einen Stürmer für einen Stürmer bringt. Aber ich bin ja auch kein Trainer.

84. Minute: Schäfer hält wieder mal glänzend – auch laut FvTuT der beste Nürnberger – und verhindert die endgültige Entscheidung. Wobei beim Club nix mehr zu gehen scheint. Schauen stehend k.o. aus die Jungs.

88. Minute: Der FCB spielt jetzt sicher in der Abwehr hin und her, die Cluberer haben keine Kraft mehr, dagegen zu halten. Von mir aus (und wegen meiner hypothetischen 5 Euro) könnte jetzt Schluss sein, bevor noch so ein unnötiges Tor für die Bayern fällt.

Es geht jetzt nur noch rückwärts bei den Bayern. Eine Minute soll nachgespielt werden – laut FvTuT „muss auch nicht mehr sein“.

91. Minute: Noch einmal ein Müller-Schuss, den „der beste Nürnberger Schäfer“ zur Ecke klären darf. Da wird der Ball geblockt und der fehlerlose Schiri Meyer pfeifft pünktlich ab.

Letztendlich wieder keine Punkte und die Serie „auswärts ungeschlagen“ ist wie erwartet auch gerissen. Aber Spiele gegen Bayern auswärts gewinnt man halt nur selten und Punkte sind hier auch keine eingeplant gewesen. Mal sehen, was der Rest gemacht hat. Nach 2230 Worten ist jetzt Schluss für heute. Dienstag zum Pokalspiel wieder. Und Glückwunsch, falls Du alles gelesen hast…

Freitag, 18. September 2009

Wen interessiert ein 1:0 gegen Gladbach?

Die Überschrift jetzt bitte mal nicht falsch verstehen - mich interessierts üblicherweise schon, aber am letzten Samstag grade mal nicht. Mein Tag fing diesmal etwas früher an. An jedem anderen Samstagsspieltag fahre ich gegen 14 Uhr los und bin locker gegen 15 Uhr im Stadion.

Diesmal bin ich um 04:25 Uhr aufgewacht und konnte nicht mehr schlafen - vermutlich auch vor Aufregung. Was jedoch nicht mal periphär mit dem Club zusammenhing. Also gleich aufgestanden, ausgiebig rasiert (ist mir üblicherweise vor dem Spiel auch reichlich egal) und gegen 06:00 Uhr mit meinem Bruder losgefahren. Nicht Richtung Nürnberg, sondern gen Neustadt/Aisch.

Dort haben wir die letzten Kleinigkeiten (Lautsprecher) für die anstehende Veranstaltung abgeholt. Wer jetzt sagt: aber im Stadion hängen doch schon genug rum, der hat recht (nur der Klang ist oftmals beRAUSCHend).

Nach dem Aufbau gings zu Muttern frühstücken und in Schale werfen. Das Clubtrikot hatte Rotsperre und durfte im Schrank hängen bleiben. Stattdessen war schwarz angesagt.

Es gibt halt doch ein paar Sachen im Leben, die wichtiger als Sport sind und (m)eine Hochzeit gehört definitiv dazu. Nachdem der DFB unverständlicherweise bei der Terminierung des Spieltags keine Rücksicht auf dieses einschneidende Erlebnis genommen hat, musste ich in den bittersüßen Apfel beißen und verzichten. Meine nicht ernst gemeinte Anfrage, ob ich "mal kurz für 5 h weg könnte" wurde von meiner Braut mit einem "kein Problem - die Hochzeit steht; heirate ich da halt jemand anderes" gekontert. Auch die zweite Variante, der typisch fränkische Brauch der "Bräutigamsentführung" (ins Stadion natürlich...) wurde wieder verworfen. Aber war ja alles nicht wirklich ernst gemeint und ich hatte keine Bedenken, dass der Club-Sieg auch ohne mich gelingt. Was sollte an dem Tag auch schiefgehen?

Die zahlreiche Schar der Zuschauer schlug gegen 10 Uhr morgens im weiten Rund des Hofs auf. Im Gegensatz zu Heimspielen schienen alle nüchtern zu sein, was ich beim Club komplett ausschließe. Ein weiterer Unterschied: jeder Ankommende wurde mit Handschlag begrüßt. Ist halt doch eine familiärere Atmosphäre und nicht ganz so viele Teilnehmer (aber gefühlt nur ein paar weniger).

Anstoss schließlich um 10:30 Uhr mit dem musisch untermalten Einzug (nur die Einlaufkinder haben gefehlt, wär aber wohl unpassend gewesen) in die heimische Kirche. Gefühlt fast ausverkauft, Bombenwetter (auch außerhalb der Kirche) und gute Stimmung. Dem Sieg konnte fast nix im Weg stehen.

Die in Schwarz gekleideten Schieds...- äh Pfarrer (ja, wir haben uns gleich zwei geleistet) - leiteten den Ablauf souverän und ohne auffällige Schnitzer. Mit Ausnahme von vier gewollten Gesangseinlagen verhielt sich das Publikum erstaunlich ruhig. Kein "raus die Sau", "wir ham bezahlt" oder ähnliches. Erstaunlich. Bringt also doch was, wenn das Publikum handverlesen ist.

Der Auszug nach dem erwarteten Sieg unter "You'll never walk alone" geriet auch überraschend geordnet. Keiner stürmte den Rasen und auch auf das mittlerweile totgespielte "We are the champions" wurde glücklicherweise verzichtet.

Im hupenden Autokorso gings schließlich zur zweiten "Halbzeit" einige Kilometer entfernt. Selbst bei einem deutschen Weltmeistertitel 2010 gäbe es nicht so viele Pkw auf dieser Strecke. Zum Fenster hing jedoch keiner raus, soweit wir das vorne beurteilen konnten. Hier machte sich zum ersten Mal der Schlafmangel der Tage zuvor bemerkbar. Nach der ersten Anspannung mit 50 km/h 20 Kilometer zurücklegen ist ganz schön schwierig. Zum Glück hatten wir einen Fahrer engagiert.

An der neudeutsch genannten Location erwartete uns der Champagner in Form von Weinschorle. Den wer-trinkt-schneller-aus Wettbewerb gegen meine jetzt Frau (klingt auch ne Woche später noch ungewohnt) konnte ich haushoch gewinnen. Allerdings nicht ganz so schwer, wenn man weiß, dass sie keinen Alkohol trinkt (und mich trotzdem erträgt...).

Am Nachmittag konnte die Braut nicht verhindern, dass das ein oder andere Radio Bayern 1 spielte und von mehreren Besuchern umlagert wurde. Das tröstete die Jungs auch über das Fehlen von Sky ("Was? Skandal - wir fahren wieder") hinweg. Und ich wurde brandaktuell über den Club- und alle anderen Spielstände auf dem Laufenden gehalten.

Die Siegesfeier fiel anschließend perfekt aus. Gutes Essen in Hülle und Fülle, sowie das ein oder andere hochprozentige Getränk ließen den Tag und Abend zu einer rauschenden Veranstaltung gelingen.

Zu erwähnen ist noch ein Video mit Grußworten, die einige Gäste von hochrangigen Persönlichkeiten und Kollegen zusammengetragen hatten. Darunter fanden sich auch Kleeblatt-Spieler und -Verantwortliche (was mich freut, echte Club-Fans wahrscheinlich zum Veranstaltungsabbruch getrieben hätte), sowie Club-Trainer Oenning.

Der riet uns, "dem Club treu zu bleiben", was meine Frau mit einem ungläubigen Prusten kommentierte...

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    In den frühen 30ern, gefühlt noch lang nicht so alt. FingerHaus Medley 300, frei geplant

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