
Ich mach mir ja im Vorfeld Gedanken, wie ich so einen Blog anfange (das kommt jetzt wahrscheinlich für einige überraschend). Mir fielen die Trikots der Bochumer ein, die auch gewaschen so ausschauen, als ob sie bereits jahrelang heftigste Fußballkämpfe durchgestanden hätten. Für mich mit die tollste Idee der letzten Jahre, was Laiberl (wie der Österreicher so schön sagt) angeht. Einzig der Hauptsponsor „netto“ klingt irgendwie billig. Aber das ist die Bochumer Mannschaft ja auch im ligaweiten Vergleich.
Oder Herbert Groenemeyer, den ich ab und an wirklich gern auflege (also seine CDs, um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen). Die Liveversion seiner inoffiziellen Vereinshymne „Bochum“ hatte ich vor weit über 10 Jahren mal die komplette Fahrt zum Spiel Bayern-VfL über angehört. Das wär nichts besonderes, wenn man in einem Münchner Vorort wohnt, aber ich hatte 2,5 Stunden Anreise. Um der alten Zeiten willen hatte ichs gestern nochmal eingelegt vor der (vieeeel kürzeren) Fahrt zum Spiel.
Letztendlich fiel es mir während des Spiels aber deutlich auf: Bochum hatte sich einfach Videos der beiden Club-Heimniederlagen gegen Schalke und Hannover besorgt und deren Spielweise kopiert. Unfassbar, aber es führte letztendlich zum gewünschten Ergebnis für die Bochumer – dem in der Überschrift genannten Zitat aus Asterix.
Aber von Anfang an: wie Hannover vor seinem Auswärtsspiel in Nürnberg, so hatten wohl auch die Bochumer Vereinsbosse ein flaues Gefühl im Magen. Der bei den Fans schon lange nicht mehr geliebte Trainer Marcel Koller wurde daher nach der Heimpleite gegen Hamburg in der Vorwoche in Windeseile entlassen, damit der neue – Interimscoach Frank Heinemann – genug Zeit für die Vorbereitung auf das wichtige Spiel im Abstiegskampf hat. Selbst das Pokalspiel gegen Schalke – immerhin ein Revierderby – wurde mehr oder weniger kampflos 0:3 abgeschenkt, um die Konzentration nicht zu mindern.
Vor dem Spiel fiel mir übrigens auf meiner üblichen Route Messe-Stadion nicht ein einziger Bochumer Fan auf und auch die fanfreundschaftlich verbundenen Bayernfans waren nirgends zu erblicken. Im Block fanden sich dann aber doch ein paar aus dem Revier – die Stehplätze waren zu zwei Dritteln lose gefüllt und auf der Sitzplatztribüne drüber fanden sich nochmal zwei Autos voll. Da gabs ja selbst mehr Hannoveraner Auswärtsfans und das waren schon wenig. Aber der ungeliebte Freitagabend lädt ja auch nicht grade zu 10 Stunden langen Fahrten ein. Und dem Aufschwung mit neuem Coach vertrauten wohl auch nicht viele. Außerdem hatte Bochum in drei Auswärtsspielen gerade mal ein Tor geschossen, dabei acht kassiert, und 0 Punkte geholt. Selbst für optimistische Zeitgenossen nicht unbedingt ein Anreiz zu weiten Reisen.
Beim Club fehlte der „Aufstiegssturm“ Eigler / Boakye verletzungsbedingt; wobei es wohl auch leistungsbedingt kaum für beide einen Platz in der Startformation gegeben hätte. Bislang ist die Leistung für die erste Liga einfach nicht ausreichend – aber da sind sie ja nicht die einzigen im Team.
Zum Aufwärmen wurde ein Video der Bochumfahrt 99 eingespielt: Andi Köpke, Sascha Ciric & Corth äh Kurth gewannen 3:0 gegen regenbogenfarben gekleidete Bochumer (die waren trikottechnisch schon immer innovativ, aber die Faber Dinger waren trotzdem nicht hübsch anzusehen). Jetzt stellte sich mir die Frage, obs von den Spielen danach kein Video gibt oder die einfach nur aus Clubsicht unschön waren bzw. es für den Club nix zu holen gab. Aber irgendwer hat sich sicher was dabei gedacht, genau dieses Spiel auszuwählen und mir fehlt grad eine ewige Ergebnisübersicht gegen Bochum, um nachzusehen, wie die Spiele in der Zwischenzeit verliefen.
Das Spiel begann schließlich mit einem druckvollen Heimverein; anscheinend wollte man diesmal die patentierte - aber erfolglose – Verzögerungstaktik über Bord schmeissen. Bochum hingegen kam in den ersten Minuten nur einmal vors Nürnberger Tor…und traf.
Nach schöner Vorarbeit auf der rechten Seite und einer Verlängerung per Hakentrick (das soll ein Arbeiterverein im Tabellenkeller sein?) musste Diego Klimowicz nur noch aus drei Metern ins leere Tor schieben. Das hätte ich auch unfallfrei geschafft, aber für Bochum war das Ziel erstmal erreicht. Auswärts als Außenseiter (ja, der Club kann auch mal bei den Buchmachern Favorit sein!) früh in Führung gehen.
Ein Catenaccio des VfL war zu befürchten – und kam letztendlich auch. Wie schon Schalke und Hannover stellten sie sich hinten rein, machten die Räume eng und warteten erst mal ab, was Nürnberg so zu bieten hatte. Und das war nicht wenig: Fehlpässe, Missverständnisse, Ideenlosigkeit – um nur einige zu nennen. Zwar hatte man ein optisches Übergewicht, aber irgendwie scheiterte man spätestens am 16er. Keine Schüsse aufs Tor waren das Ergebnis, lediglich ein paar daneben oder drüber.
Jetzt ist so ein Tor 17,68 qm groß (grade ausgerechnet) und lediglich ein einzelner Keeper ist im Weg – in dem Fall Luthe, von dem ich bis dahin auch noch nie gehört hatte. Trotzdem schaffte es der Club ein ums andere Mal, den dritten (!) Torhüter der Bochumer nicht zu prüfen.
Zu allem Überfluss musste dann wieder mal Andi Wolf verletzungsbedingt raus in der 25.; für ihn kam Maroh, der 86 % aller Zweikämpfe bisher gewonnen hat. Diese wertvolle Information wurde in Form von „easy-credit Livefacts“ eingeblendet. Da drängen sich gleich mehrere Fragen auf:
86 % sind sicher gut. Nehmen wir mal an. Wieso sitzt der Mann dann nur auf der Bank?
Wen interessieren zu diesem Zeitpunkt solche Statistiken? Oder zu irgendeinem Zeitpunkt?
Wieviel Geld zahlt easy-credit für den Unsinn?
Wie hoch ist die Quote der anderen Spieler und vor allem…
Wieso gewinnt man mit solchen Werten keinen Blumentopf?
Aber schön, dass wir drüber gesprochen haben. Ähnlich sinnlos fand ich gestern übrigens die Einblendung der Schussgeschwindigkeiten von Areva auf zwei größeren elektronisch betriebenen Tafeln, die jeweils an den Eckfahnen der Haupttribünenseite standen.
Eine der wenigen gefährlichen Situationen, ein Hammer an den Pfosten (35. Minute), wurde mit 55 km/h gemessen. Das sah mit Sicherheit jeder im Stadion anders, aber ein Werbeträger mehr für den Club, auch wenn er noch so falsch und nutzlos ist.
Zur Halbzeit gabs dann das lauteste Pfeifkonzert bisher. Irgendwie hatte man auch nicht das Gefühl, als könnte es in der zweiten Hälfte besser werden. Ich hatte übrigens im Vorfeld überlegt, auf weniger als drei Tore in dem Spiel zu wetten. Gelassen habe ich es, weil ich mir ziemlich sicher war, dass der Knoten beim Club platzt und die allein drei Stück schießen. In der Halbzeit fiel mir daher wieder auf, dass mein Fußballsachverstand nicht wirklich groß sein kann, wenn ich mit meinen Prognosen derart daneben liege.
In Hälfte zwei gab es bis zur Einwechslung von Risse keine nennenswerten Torchancen – und noch weniger Paraden der beiden Torhüter. Bochum wurde wohl von ihrem Coach in der Halbzeit noch einmal der „Schalker Weg“ eingeimpft: die Bochumer Betreuer wurden im Spiel insgesamt sieben Mal (!) auf den Platz gerufen, weil sich angeblich ein Spieler verletzt hatte. Irgendwann dämmerte es dem Schiri auch mal, dass es sich um chronische Fälle von Hypochondrie handeln könnte und er unterband eine Behandlung, als erneut ein Bochumer am Boden lag. Der erholte sich schließlich auch auf wundersame Weise binnen kürzester Zeit.
In der 64. Minute brachte Oenning für den angeschlagenen Kluge Marcel Risse. Einhellige Meinung – der reisst es auch nicht raus. Und tatsächlich: kaum auf dem Platz, passt er sich dem allgemeinen Niveau an und verliert bei einem Sturmlauf sofort den Ball. Anschließend ein Fehlpass und er war nicht mehr zu sehen.
Zur Aufheiterung des tristen Spiels gabs noch einen Livefact von easy-credit: 61 % Ballbesitz für den Club. Ja Wahnsinn! Die oben erwähnten Fragen drängten sich erneut auf. Leider immer noch keine Antworten.
Mehr oder weniger sang- und klanglos endete das Spiel mit drei Minuten Nachspielzeit. Der Club konnte nicht, Bochum war zufrieden mit drei – wahrscheinlich auch für sie selbst - unerwarteten Punkten.
Ein Großteil der Club-Anhänger hielt es schon vor dem Schlusspfiff nicht mehr auf seinen Plätzen aus. Aus den Äußerungen konnte man schließen, dass der gallische…äh…fränkische Himmel tatsächlich einstürzt. Positiv bleibt festzuhalten, dass grade mal ein gutes Fünftel der Saison absolviert ist. Negativ, dass von dem eigtl. nicht allzu schweren Auftaktprogramm (von Bayern und Stuttgart auswärts mal abgesehen) kaum Punkte hängen geblieben sind und man sich fragen lassen muss, gegen wen man denn gewinnen will, wenn nicht gegen Bochum oder Hannover zu Hause.
Zum Abschluss gibt’s den feiernden Bochumer Block, der für die weite Anre
ise ausreichend entschädigt wurde…



