Donnerstag, 24. September 2009

Klassenfahrt nach Berlin wegen ungenügender Leistung gestrichen: FCN vs 1899 0-1

Gern denken Club-Fans zurück an den 26.05.07: der FCN feierte den größten Erfolg der jüngeren Vereinsgeschichte (wobei jung hier relativ ist – der vorherige Titel der Meisterschaft 1968 stammt ja schon aus einer Zeit, als sich meine Eltern noch nicht kannten...) und gewann den DFB-Pokal gegen Meisterfeier-müde Stuttgarter.

Das scheint eine Ewigkeit her zu sein – dazwischen ein Ab- und sofortiger Wiederaufstieg. Überhaupt scheint der Club ja ein Talent für Abstiege nach Titeln zu haben – immerhin sind sie immer noch der einzige Verein, dem das Kunststück gelang, nach der Meisterschaft im folgenden Jahr abzusteigen.

Nach einem durchwachsenen Ligastart findet man sich diese Saison kurz vor der Abstiegszone wieder. Da sorgte die Erinnerung an den Sieg vor zwei Jahren und eine Abwechslung zum grauen Ligaalltag im Pokal für Hoffnung bei den Anhängern. Die erste Hürde Dresden wurde im August – zumindest für mich erstaunlich - locker genommen und ein Bundesligaduell gegen 1899 Hoffenheim stand an. Zudem noch zu Hause, was die Erfolgsaussichten deutlich erhöhte.

Das Dauerkartenbesitzervorkaufsrecht (mit Sicherheit das längste Wort in diesem Eintrag) sicherte mein Ticket für den stolzen Preis von 23 Euro. Quasi knapp der doppelte Preis eines Ligaheimspiels; aber man hats ja. Allerdings anscheinend nicht jeder, denn die Zuschauerzahl betrug gerade mal gut 26000 Zuschauer und das gegen einen attraktiven Erstligisten. Nachdem alle in meiner Fahrgemeinschaft aufgeklärt wurden, gegen wen der FCN heute antrat („Hoffenheim...das sind die Blauen“), konnte es dann losgehen.

Der vom SAP-Gründer gepushte Dorfverein schickte denn auch geschätzt ein Fünftel seiner Einwohnerzahl zur Unterstützung nach Nürnberg. Der „Hurra, das ganze Dorf ist da“ – Gesang findet hier endlich mal seine Berechtigung. Laut Wikipedia hat Hoppen...äh....Hoffenheim 3263 Einwohner und der Gästeblock war gut gefüllt, so dass wohl nicht mehr allzu viele zu Hause saßen.

Die Platzwahl ging gleich mal wieder verloren und so musste der Club ungewohnterweise zuerst in Richtung Nordkurve spielen. Die Hoffenheimer Formation war mit lautmalerisch netten Namen wie Demba Ba, Maicosuel und Chinedu Obasi gespickt. Das klingt auch irgendwie besser als Maroh, Kluge oder Broich. Aber die erstgenannteren haben ja nicht zuletzt deswegen ihr eigenes Lied der Sportfreunde Stiller („Alles Roger“) bekommen.

Leider spielten die Hoffenheimer von Anfang an so schön, wie ihre Namen klingen. Sehenswerte Kombinationen zwangen den wieder einmal besten Nürnberger Raphael Schäfer zu einigen Glanzparaden. Demba Ba zeigte, dass er wohl nie als „Kopfballungeheuer“ ausgezeichnet wird und vergab aussichtsreich zwei Mal hintereinander aus aussichtsreicher Position.

Vom Club war bis dahin - und leider auch danach - nach vorne nichts zu sehen. Keine Chancen, sondern lediglich kampfstarkes Aufbäumen gegen den Spielfluss der Badener (oder Württemberger? Erdkunde war noch nie meine Stärke...).

In der 35. Minute gabs letztendlich doch den verdienten Führungstreffer für Hoffenheim nach einer Ecke durch ein Tor von Kapitän Nilsson. Der zeigte seinem stürmenden Kollegen Ba, wie so ein Kopfball tatsächlich funktioniert und ließ seinen Gegenspieler wie ein unsichtbares Phantom aussehen.

Mein Highlight bis dahin gabs dann in der Halbzeit. Bei den – eigentlich immer ungewollt -witzigen Interviews wurde ein Fan gefragt, ob das jetzt nicht ein bißchen viel Fußball wäre mit zwei Heimspielen in einer Woche. Als Antwort kam, dass das einzige Problem im Moment das fehlende Tor wäre und man ja spielerisch durchaus mithalten könne. Schöne Antwort, nur leider halt nicht auf die gestellte Frage und ich frag mich jetzt noch, wie man das Spiel bis dahin aus Nürnberger Sicht so optimistisch beurteilen konnte, da der Club einiges an Kampf zeigte, aber von „spielerisch mithalten“ absolut keine Rede sein konnte.

Das Interview wurde offensichtlich auch in der Hoffenheimer Kabine eingespielt, da deren Spieler nach der Halbzeit anscheinend noch diesen letzten Nürnberger Fan von ihrer Überlegenheit überzeugen wollten. Die dunkelhäutige Fraktion spielte auf, als wäre sie Brasilien bei einem Freundschaftsspiel gegen die Ukraine (Kurzer Blick nach Kiew, wo sich jetzt fassungslose Nationalspieler fragen, was sie denn angestellt haben...) und es brannte lichterloh vor Raphael Schäfer. Doch der klärte...und parierte...und hielt. Ich mache hier mal ernsthaft den Vorschlag, die Auszeichnung zum „Spieler des Jahres“ jetzt schon zu vergeben. Ich kann mir nicht vorstellen, wer den noch überholen soll in den restlichen 28 Spielen.

Dazwischen hatte der Club auch mal sein erstes „Chance-chen“ durch Schubo, der jedoch einen Kopfball neben das Tor setzte. Ansonsten war er durchaus einsatzwillig, aber irgendwie hatte man das Gefühl, dass er noch nicht so recht wusste, wo er hinlaufen soll. Seine Laufwege waren durchweg nicht kompatibel zu den Pässen seiner Mitspieler, was zu einigen Missverständnissen führte. Gute Ansätze zeigte er allemal und den Vorzug vor Eigler bzw. Boakye dürfte er für die nächste Zeit zurecht bekommen.

Nachdem sich Hoffenheim 15 Minuten -nur durch Raphael Schäfer gestört- austoben durfte, kam auch der Club ab und an mal über die Mittellinie. Und in der 73. Minute war es endlich soweit: der erste Schuss des FCN auf das Hoffenheimer Tor, bei dem Hildebrand klären musste. Und weils so schön war, gabs kurz darauf gleich noch eine zweite Parade des verhinderten Nationaltorhüters zu sehen. Dank der Ungefährlichkeit der Nürnberger Mannschaft lässt sich jetzt schlecht beurteilen, wie gut Hildebrand wirklich ist. Dazu waren die Prüfungen einfach zu selten. Nur so als Anmerkung: ich frag mich immer noch, warum den die Bayern nicht letztes Jahr holten. Das konnte mir da schon keiner erklären und jetzt immer noch nicht.

Ab der 85. Minute schienen auch die Clubspieler realisiert zu haben, dass man bei einem Rückstand zum Spielende aus dem Pokal ausscheidet. Es folgte ein fünfminütiges Anrennen (acht – wenn man die Nachspielzeit einrechnet), bei dem sogar Raphael Schäfer anlässlich einer Ecke im Hoffenheimer Strafraum auftauchte. Diese Phase führte zu einigen kleineren Torgelegenheiten, jedoch zu keinem zählbaren Erfolg.

Hoffenheim ist damit verdient eine Runde weiter und feierte sich trikotwerfend in der Südkurve (als ob der Erfolg irgendwie unerwartet gekommen wäre). Der FCN kann sich jetzt voll auf den Abstiegskampf konzentrieren (die meistgehörte Floskel nach dem Spiel); ein Klassenunterschied war jedoch deutlich sichtbar. Aber in Nürnberg gibts ja (zum Glück) auch keine Abhängigkeit zu Hopp’ schen Millionen, sondern ehrliche Arbeit (wenn man Fußball als Arbeit betrachtet). Hoffenheim wird um den internationalen Wettbewerb mitspielen, der Club doch wohl eher nicht (aber das hatte ja auch niemand erwartet). Trotzdem wäre eine Berlinfahrt durchaus schön gewesen...

1 Kommentar:

  1. Wiedermal sehr kurzweilig es zu lesen. Macht echt Spaß! Mein zweitens kennst du ja bereits, hab ich dir ja letztesmal bereits per Email mitgeteilt.

    PS: wie gewöhnt man sich an das Eheleben?

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    In den frühen 30ern, gefühlt noch lang nicht so alt. FingerHaus Medley 300, frei geplant

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