Donnerstag, 3. Dezember 2009

FCN-SCF 0:1 - oder: Zum Glück war ich woanders...

Ein Auswärtssieg in Wolfsburg. Selbst kühnste Optimisten hatten das nicht erwartet. Beim deutschen Meister in einem mitreissenden Spiel - so mitreissend, dass sich Schäfer zu einem Blackout hinreissen ließ und sich vier Spiele Sperre abholte. Trotzdem schien alles rosarot zu sein vor dem Spiel gegen Freiburg, Tabellennachbar und wie der Club vor der Saison als Abstiegskandidat gehandelt. Nachdem man schon großzügig anderen Mannschaften aus dem Tabellenkeller zu Hause Punkte geschenkt hatte (siehe Bochum, Hannover) sollte es endlich mal wieder ein Dreier werden.

Aber es kam nicht so wie erhofft: Freiburg mit einem frühen Tor nach einer Ecke und kollektivem Nürnberger Abwehrschlaf. Anschließend das alte Rezept - sich einigeln und den Club seine Chancen vergeben lassen. Der Strich zu den Abstiegsrängen rückt bedrohlich näher und eine Auswärtsfahrt nach Dortmund verspricht auch nicht gerade drei Punkte.

Ich "durfte" mir das Spiel allerdings nicht anschauen. Böse bin ich nicht wirklich darüber - nachdem ich es im Liveticker ab halb sieben morgens verfolgt habe. Stattdessen war ich nämlich in Las Vegas und bin dort zu einem groß angekündigten Sportereignis.

Dort fand nämlich der "Super Bowl der UFL" - einer dieses Jahr neu gegründeten Footballliga - statt. Eins vorneweg: geärgert hab ich mich ähnlich wie bei einem Club-Spiel, wenn nicht noch mehr. Aber der Reihe nach.

Die UFL wurde von einigen schwerreichen Menschen gegründet, die der Meinung sind, dass es trotz der allmächtigen NFL, die Fernsehverträge über Milliarden Dollar und fast überall ausverkaufte Stadien hat, noch nicht genug Football in Amerika gibt. Das könnte man ja noch nachvollziehen; sie haben von Beginn an erklärt, dass sie keine Konkurrenz zur NFL sein wollen, was auch etwas lächerlich gewirkt hätte.

Gestartet wurde mit ganzen vier Mannschaften, die ihre jeweils drei Heimspiele auch noch aufteilten auf verschiedene Standorte, um eine möglichst breite Fanbasis zu errichten. Der erste Fehler lag meiner Meinung (und die meisten Experten sehen es ähnlich) nach darin, dass sie wie die NFL im Herbst spielen und nicht im footballfreien Frühjahr. Außerdem setzten sie Teams nach San Francisco und New York, wo es vier populäre NFL-Mannschaften gibt und die Zuschauerzahlen schwindelerregende 6000 bzw. 8000 niedrig waren. Und wie sich später herausstellte, nimmt es die UFL mit diesen Zahlen nicht ganz so genau, so dass vermutlich kaum mehr als eine Handvoll Fans in den Stadien war.

Nachdem sich unser Urlaub zufällig mit dem Finale dieser Liga überschnitt, wurden also flugs 5 Karten zu ca. 32 Dollar geordert. Ein annehmbarer Preis für so ein Finale dachte ich. Gespielt wurde im Stadion der UNLV Rebels (das Collegeteam der Uni Nevada), welches an einer Seite offen ist und so ca. 38.000 Leuten Platz bietet. Im Vorfeld der erste Ärger: in unserem Casino gabs das spektakuläre Angebot, dass man zwei Karten zum Spiel umsonst erhält, wenn man eine Wette mit mind. 10 Dollar absetzt. Tolle Sache, wenn man die Karten nicht schon vergleichsweise teuer im Vorfeld gekauft hat. Die Karten hab ich natürlich trotzdem mitgenommen - vielleicht findet sich ja ein armer Waisenjunge, der welche braucht. Oder ein Schwarzmarkthändler, dem man ein paar Dollar rausleiern kann.

Auf dem Weg zum Stadion, der etwas kürzer als in Nürnberg ist - und wo man umsonst parken kann (was wäre der Durchschnittsami ohne sein Auto), fiel vor allem eines nicht auf: Menschen in Fankleidung der Las Vegas Locos, dem heimische Team, welches sich mit vier Siegen und zwei Niederlagen ins Finale gegen das Team der Florida Tuskers (die hatten alle gewonnen) gespielt hatte. Ein paar NFL Trikots, sonst reichlich Zivilkleidung. Anders als bei jedem NFL-Spiel, wo mind. vier Fünftel in Trikot erscheinen. Gewundert hats mich andererseits nicht, denn in acht Tagen Las Vegas und Besuchen in jedem erdenklichen Sportladen hab ich auch nirgends Merchandising gesehen.

Aber die Liga gibts ja noch nicht so lang...und wenns nach dem Spiel geht, auch nicht mehr lang. Aber ich greife vor...Meine zwei überzähligen Karten wollte ich unterwegs noch schnell loswerden, was sich jedoch als schwierig herausstellte: weit und breit kein offensichtliches Waisenkind und der Schwarzmarkthändler hatte nicht mal 5 Dollar einstecken (die man ihm bei ner Festnahme sonst abnehmen würde). Seine Bemühungen, kurzfristig liquide zu werden, scheiterten, so dass ich die Karten letztendlich dem örtlichen Mülleimer anvertraute. Kein großer Verlust, aber ich machte mir ne mentale Notiz, dass ich bei Verkündung der offiziellen Zuschauerzahl zwei Personen abziehen muss.

Um das Stadion gabs dann ein paar Gimmicks wie Kletterwand, DJ und Picknickarea, die der geneigte Schreiber so auch von der leider verschiedenen NFL Europe kannte (da verging den schwerreichen Männern leider die Lust und somit ist die Frankfurt Galaxy leider Geschichte...RIP). Alles nicht übermässig spektakulär für den selbsternannten "Super Bowl". Wer den Hype um den Super Bowl einmal mitgekriegt hat, weiß, dass dieses Finale so weit vom Super Bowl weg war, wie ein Länderspiel San Marino-Liechtenstein von einem WM-Finale.

Im Nachhinein habe ich dann noch gelesen, dass die Schwarzmarkthändler ihre Tickets auch weit unter aufgedrucktem Wert verkaufen mussten (auf meinen Zusatzkarten stand eh schon 0,00 $), weil sich der Absatz in sehr engen Grenzen hielt. Hierzulande hätten umsonst-Tickets ein Stadion wahrscheinlich gut gefüllt; in Vegas, wo es täglich Mega-Shows und Konzerte gibt...nicht. Als wir das Stadion betraten, wurde uns vom freundlichen Ordner mitgeteilt, dass wir quasi freie Platzwahl hätten. Nicht so schwierig, denn es war weitaus schwerer, besetzte Plätze zu finden, als freie.

Neben diversen illustren Gästen (die Amis nennen sowas White Trash... Al Bundy lässt grüßen) fanden sich hauptsächlich Otto-Normalverbraucher wie wir. Das Spiel an sich langweilte ähnlich wie der oben erwähnte Club-Auftritt gegen Hannover oder Bochum. Ich hatte auf die bislang ungesetzten Tuskers gewettet und die taten ab der Halbzeit alles dafür, dass mein Geld den gleichen Weg nahm wie meine Umsonst-Tickets - nämlich in die Tonne. Vor allem der Spielplan des Coaches Jim Haslett sorgte bei mir für die Gewissheit, dass er wohl auf die Heimmannschaft gewettet hatte.

Die sonst übliche Show beim Football konnte meine Laune ebenfalls nicht aufheitern: keine Cheerleader (gut, auf die könnte ich sonst auch verzichten), aber bei jeder Unterbrechung eine dümmliche Truppe namens U-Team, das T-Shirts ins Publikum warf / schoss. Toll. Das sollte für Begeisterung sorgen und der Durchschnittszuschauer machte das Beste daraus. Von Show und Spektakel war dieser Dorf-Super-Bowl, wie ich ihn dann taufte, meilenweit entfernt.

Hinzu kam, dass das Spiel auf einem drittklassigen Sender namens Versus (der wurde berühmt, als er nach dem NHL-Streik/Lockout der einzige Sender war, der Eishockey übertragen wollte) gezeigt wurde. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die für die Senderechte zahlen mussten, aber wenn doch, dann taten sie alles um ihr Geld per Werbepausen wieder reinzuholen.

Auf dem Spielfeld stand in jeder Pause - und davon gibts beim Football viele - ein Männchen mit überdimensionalen orangen Handschuhen. Der zeigte dem Schiri dann an, wanns weitergehen konnte. Anscheinend stellten sie irgendwann fest, dass sie das übertrieben; die erste Halbzeit dauerte nämlich fast zwei Stunden (normal ist es eine gute...) und in der zweiten ging es dann oftmal flott weiter (das orange Handschuhmännchen winkte hektisch, was einigermaßen lustig aussah). Ich fürchte ja, dass man irgendwann beim Fußball auch noch Werbe-Timeouts einführt, nachdem man den Fernsehsendern alles andere schon offenbart hat (Spieltermine u.a.). Aber gottseidank ist es noch nicht so weit.

Die Liga, deren Leitspruch "It's all for U" (grob übersetzt: alles für den Fan) ist, zog sich dann auch noch den Unmut aller zu (das mit den Werbepausen hat anscheinend nur den deutschen Teil der Zuschauer - also uns fünf - gestört): In der NFL hängt hinter den Toren ein Netz, das dem bei einem Touchdown folgenden Kick den Ball auffängt, so dass er nicht ins Publikum geht. Das Netz gabs hier nicht. Das führte zu zwei Sachen:

1. der Fan stellt sich so auf, dass er möglichst einen Ball fängt; hab ich natürlich auch und offensichtlich stand ich goldrichtig, da der Ball direkt zu mir segelte. Ich wehrte ihn jedoch mit dem kleinen Finger ab, was mir neben einer Prellung die Einsicht bescherte, dass es mit einer Karriere als Wide Receiver in der NFL auch nix mehr wird, und meine Laune damit noch mehr in den Keller ging (also wegen der Prellung; mit der fehlenden NFL-Eignung hatte ich mich schon lang abgefunden *g*).

2. irgend ein Fan den von mir abeklatschten Ball fing, überglücklich war, bis ein Ordner ihm den wieder abnahm und nach unten aufs Spielfeld warf. Das war offensichtlich ne vorher an die Ordner gegebene Anweisung, denn richtig begeistert sah der Mann von seiner Aufgabe nicht aus; später wiederholte sich das, bis ihm ein Fan den Ball, den er heroisch auf Kosten eines Rippenbruchs (so sah es jedenfalls aus) gefangen hatte, nicht gab, sondern in einen anderen Block warf. Sehr lustig, aber dem Fan brachte es nen Stadionverweis ein und die komplette Kurve buhte den Ordner aus.

Soviel dazu, dass alles für den Fan gemacht wird. Die Kosten für die Liga, die im ersten Jahr stolze 30 Millionen Verlust eingefahren hat, wären im kompletten Spiel fünf Bälle gewesen. Aber soooo viel will man dann doch nicht für den Fan machen.

Das Spiel gewannen übrigens letztendlich die Las Vegas Locos in der Verlängerung (als ob sich das Spiel nicht schon lang genug hingezogen hätte), was von offiziell 14801 Zuschauern (da müssen noch die zwei Tickets von mir aus dem Müll abgezogen werden...) mehr oder weniger begeistert aufgenommen wurde. Wir fanden diese Zahl lächerlich und ebenso der örtliche Zeitungsschreiber, der 8000 Zuschauer schätzte. Das könnte eher hinkommen, dürfte aber auch noch zu hoch sein. Die Pokalübergabe war dann vor höchstens 3000 Fans, da viele sofort nach Schlusspfiff (oder schon weit vorher) fluchtartig das Stadion verließen. Mittlerweile waren nämlich vier Stunden rum und das war ne gute Stunde länger als üblich und fanverträglich.

Inwieweit sich die Liga hält, bleibt abzuwarten. Nächstes Jahr wollen sie ihren Verlust halbieren (15 Mio sind auch noch genug, aber dafür behalten sie wohl wieder ihre Bälle) und mit dann 6 Teams jeweils 10 Spiele machen. Ich tippe mal drauf, dass sie entweder in zwei Jahren im Frühjahr spielen oder es die Liga in drei Jahren nicht mehr gibt; und wir beim ersten und einem der einzigen Dorf-Super-Bowls waren.

Fazit: sollte ich nochmal die Chance auf ein UFL Spiel haben, würde ich gehen. Aber nur noch umsonst. Ansonsten ziehe ich ein Club-Heimspiel vor (wenns vielleicht nicht grad wie das gegen Freiburg läuft, aber das kann man sich ja nicht aussuchen)...

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