Erbarmen – zu spät – die Hessen kommen. Ein Lied aus meiner Jugend, aber das hat sich wohl beim Club keiner gedacht. Nach dem Trainerwechsel und dem erwartet verpatzten Auftakt in Schalke sollten jetzt auf jeden Fall drei Punkte her. Angeblich liegt Frankfurt dem Club ja; die haben allerdings einen gesicherten Platz im Mittelfeld der Tabelle und zum Auftakt daheim gegen Bremen gewonnen (und das bei einer 3.5er Quote, wenn man sich denn traute; in dazugehörigen Neuigkeiten: Danke Eintracht!). Trotzdem musste auf jeden Fall ein Sieg her, wenn man den Anschluss an sichere Gewässer nicht verpassen wollte.
Ein sehr optimistischer Kollege meinte noch, dass es mit der Meisterschaft schwer wird, wenn man das Spiel nicht gewinnt. Wir haben dann mal kurz nachgerechnet und müssen den Club-Fans leider die traurige Nachricht überbringen, dass nach menschlichem Ermessen die Deutsche Meisterschaft 2010 für den Club nur noch am grünen Tisch machbar ist. Selbst 16 Siege und damit 48 Punkte mehr werden nicht reichen. Aber bleibt ja noch die Quali zur Champions League…
Zurück in die Realität 19. Spieltag: die hessischen Anhänger hatten einen Sonderzug der Deutschen Bahn bekommen (kann man dem Normalvolk in einem normalen Zug wahrscheinlich nicht zumuten) und sollten in Fürth umsteigen, um anschließend per Direktfahrt mit der U-Bahn zur Messe gekarrt zu werden. Die beiden Fanlager sind sich nicht ganz grün – trotz oder vielleicht wegen der zum Verwechseln ähnlichen Vereinsfarben - und so sollten jegliche Konflikte vermieden werden. In der Theorie klangs gut, nur in der Praxis wurde der Zug erst mal boykottiert. Eigentlich eine nette Idee, aber letztendlich fanden dann doch ein paar Tausend Frankfurter den Weg ins Stadion.
Ich kam diesmal in den Genuss einer Autofahrt – ein Kollege und versprengter Frankfurt-Fan stellte seinen Pkw zur Verfügung. Das hinderte die drei mitfahrenden Club-Anhänger und den einen Symphatisanten (also mich) nicht daran, blöde Sprüche abzulassen, was in der (hoffentlich) nicht ganz ernstgemeinten Aufforderung zum Aussteigen auf der A73 führte. Wäre sogar gegangen, denn Samstag nachmittag ist da gerne mal Stau. Wissen wir jetzt. Aber auch so kamen wir noch pünktlich ins Stadion.
Dort gabs nach einer verkürzten Leibesvisitation (=kurz Anschauen) in der Südkurve jede Menge Frankfurter, die offensichtlich alle beim selben Herrenausstatter eingekauft hatten: dunkle Jacken und farblose Mützen in schwarz-weiß. Wer Uniformliebhaber ist, hatte sicher seine helle Freude an dem einheitlichen Stil.
Den Fans war offensichtlich kalt, so dass sie sinnlos auf- und abhüpften, was die Tribüne in deutlich bemerkbare Schwingungen versetzte. Das legte sich aber zu Spielbeginn – da wurde dann nämlich richtig eingeheizt. Anscheinend hatten „Körperschmuggler“ Kracher, Rauchbomben und Bengalos mit ins Stadion gebracht, was nicht zuletzt dank der „ausgiebigen Kontrollen“ wohl auch nicht allzu schwer war (kein Vorwurf an den Sicherheitsdienst: bei den dicken Jacken im Winter gibt’s ja genug Versteckmöglichkeiten und die Diskussion über die Anschaffung von Nacktscannern bezieht sich noch nicht auf Fußballspiele).
Schwarzer Qualm mis
chte sich mit orangem Bengalo-Leuchten und reihenweise flogen Böller auf die Tartanbahn in Richtung der dort ausharrenden Ordner. Ich bin mir nicht sicher, was die Idioten damit bezwecken wollten, aber zumindest wars laut und das Schwingen der Tribüne legte sich. Wenigstens etwas.
Das Spiel ging trotz wogender Nebelfelder über dem Rasen pünktlich los und die „Fans“ beruhigten sich. Kaum, dass man wieder halbwegs ein paar Spieler erkennen konnte, gabs auch gleich eine Schrecksekunde für den Club: Ochs tauchte nach schöner Ablage frei am 16er auf und zog direkt auf das Tor von Raphael Schäfer ab; der Ball ging zum Glück drüber und der FCN fing sich.
Was am Anfang auffiel war, dass die Frankfurter entweder sehr dick angezogen waren, oder einige die Weight Watchers Sitzungen verpasst haben. Nikolov war auch schon mal schmächtiger, in der Abwehr Franz, im Mittelfeld Meier und vorne Liberopoulos, der trotz seines perfekten Kaiser-Namens im Sturmzentrum spielt. Aber es bringt offensichtlich Erfolge, also kanns so schlecht nicht sein.
Neben der bereits erwähnten Anfangschance der Eintracht gabs eigentlich nur einen Aufreger auf Clubseite: Andi Wolf kam etwas spät und seine Grätsche brachte einem Frankfurter eine ungewollte Verletzungspause ein. Eine eindeutige gelbe Karte, die erst seine fünfte in der laufenden Saison ist, aber trotzdem zur Sperre führt. Das Clubvolk sah es anders und brachte das auch lautstark zum Ausdruck.
Erst in der 25. Minute gabs auch endlich mal eine Chance für den Club: Charisteas legt sauber auf Eigler an den 16er zurück, aber Nikolov taucht den Ball aus dem Eck. Stöhnten hier die leidgeprüften Anhänger noch auf, so durften sie nur zwei Minuten später jubeln: ein Freistoß von der Mittellinie wurde perfekt ans Eck des 5m-Raums geflankt und offiziell Eigler nickte neben dem kurzen Pfosten ein. Offiziell deswegen, weil auch nach der fünften Wiederholung im Stadion für uns nicht zu sehen war, obs nicht eigentlich ein Eigentor war, aber wollen wir dem FCN mal keins der seltenen Stürmertore klauen.
Kurz darauf holte sich der als Bad Boy (zurecht?) verschrieene Franz auch noch eine gelbe Karte ab, wobei die Rauhbeine der beiden Vereine bedient waren. Im Prinzip die gleiche Situation wie bei Wolf, aber es wurde diesmal frenetisch von den (Nürnberger) Anhängern rot gefordert. Der Schiri gab diesem Drängen nicht nach; es handelte sich übrigens um Dr. Drees, der bereits die 0:2 Heimniederlage gegen Hannover leiten durfte. Probleme hatte der einzig und allein mit der Vorteilsregel, die er mehrfach sehr seltsam interpretierte – zwei Mal hintereinander ignorierte er sie und vermasselte damit dem Club jeweils eine halbwegs gute Ausgangssituation. Ansonsten lags sicher nicht am Schiedsrichter.
Noch vor der Halbzeit fiel dann der sehenswert herausgespielte Ausgleich der Frankfurter. Der Ball läuft über mehrere Stationen nach rechts, Schäfer läuft an den kurzen Pfosten und wird dort überlobbt. Die Flanke von Ochs muss Köhler dann ungedeckt nur noch einnicken, was ihn vor keine größeren Schwierigkeiten stellt. Selbst ich als anerkannt schlechter Kopfballartist hätte das wohl noch unfallfrei hingebracht. War im Prinzip erst die zweite Chance der Eintracht, aber das ist einfach die Cleverness der Spitzenteams. Oder wie in diesem Fall der Frankfurter.
Nach der Halbzeit erwarteten wir einen druckvollen Beginn der Hausherren – schließlich musste ja ein Sieg her. Der erste Schuss kam dann auch prompt – und wurde mit sagenhaften 58,8 km/h gemessen. Ein durchschnittlicher Einwerfer bringt da mehr zusammen. Unnötig zu erwähnen, dass sich Nikolov über das Geschenk freute.
Kurz darauf durfte Maik Franz auch mal einstecken, anstatt immer nur auszuteilen. Er wälzte sich sehenswert auf dem Rasen, unterband so einen hoffnungsvollen Angriff des Clubs und durfte eine kurze Gratisbehandlung des BRKs in Anspruch nehmen. Anschließend gings kurz nach draussen, wo er aber postwendend wieder auf den Platz trabte. Eine wundervolle Genesung; es gab Schiedsrichterball, den die Frankfurter gleich mal in Richtung des 80m entfernten Tors von Raphael Schäfer droschen. Anscheinend lernten sie auch in der Fairnesschule von Christoph Daum.
Albert Bunjaku verhinderte in der 57. noch einen erfolgreichen Torschuss, als er halb artistisch, halb ungeschickt den Ball in Richtung Gehäuse spitzelte, jedoch Nikolov nur problemlos zugreifen musste.
Frankfurt war offensichtlich mit dem einen Punkt zufrieden und spielte abwartend, jedoch nicht ohne eigene Torgelegenheiten: so produzierte Preuß ein eindrucksvolles Luftloch in der 64. und fünf Minuten später passte Meier, der sich schön auf rechts durchgesetzt hatte, scharf nach innen vor den Kasten von Schäfer. Allerdings standen da nur rot schwarz gekleidete Spieler und Frankfurt lief diesmal in weiß auf.
In der 79. gabs die letzte gute Gelegenheit für den Club, aber Nikolov klärte mit einer sehr schönen Parade den Schuss von Gündogan. Danach schleppte sich das Spiel dem Ende entgegen und beiderseits gab es nicht mehr viel erwähnenswertes. Frankfurt konnte mit dem Punkt auswärts durchaus zufrieden sein, für den Club sind es zwei verlorene Punkte auf dem Pfad Richtung zweite Liga.
Sollte am nächsten Samstag in Hannover, das sich seit dem Suizid von Enke anscheinend nicht mehr auf Fußball konzentrieren kann, wieder kein Sieg gelingen, wird’s sehr eng für Nürnberg. Eine Fahrt nach Frankfurt rückt dann in weite Ferne – nachdem der FSV auch keinen Gefallen an der zweiten Liga zu finden scheint. Aber noch sind ja 15 Partien zu absolvieren.
Von dem vermeindlichen Handelfmeter für die Eintracht - der nicht gegeben wurde - hab ich nix gelesen... ;) ansonsten bin ich zufrieden greetings der Fahrer
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