Dienstag, 9. Februar 2010

Wenn Du erstmal unten drin stehst...FCN-VfB 1:2

Nach dem zweiten Auswärtsdreier diese Saison waren die Hoffnungen vor dem Spiel groß, den Anschluss an die Nichtabstiegsplätze herzustellen. Dem ersten Sieg in der Fremde (Wolfsburg) folgte ja bekanntlich die Ernüchterung mit dem verpatzen Heimspiel gegen Freiburg. Diesmal mussten es einfach drei Punkte werden, damit der Sieg in Hannover, die bei Fortsetzung ihrer Serie seit dem Tod von Enke demnächst am Club vorbeifallen dürften, nicht umsonst war. Die Zuversicht war wieder einmal groß und ich ließ mich zum zweiten Mal in dieser Saison zu einer Wette auf die Heimmannschaft hinreißen. Üblicherweise tippe ich auf den Gegner, um bei Niederlagen zumindest Schmerzensgeld kassieren zu dürfen.

Den VfB hatte ich diese Saison schon einmal gesehen - auf dem Tiefpunkt ihrer Saison bei der DFB-Pokal Niederlage in der heißgeliebten Nachbarstadt. Seitdem wurde der Trainer gewechselt, der Kapitän Hitzlsperger in die Wüste (zumindest in Richtung Wüste zu Lazio Rom) geschickt und - gewonnen. Gleich mehrfach.

Im Vergleich zum Pokalspiel im Dezember hatte sich also einiges getan bei den Schwaben.Ganze fünf Spieler der Startaufstellung durften sich auch diesmal zu Beginn versuchen (ein sechster - Kuzmanovic wurde eingewechselt). Darunter mit Jens Lehmann der Unymphatieträger des Teams. Den konnte ich genau einmal gut leiden (beim Elfmetersieg gegen Argentinien 2006 - wen wunderts), aber da bin ich in ja guter Gesellschaft, nachdem er damals sogar von den Anhängern seines eigenen Vereins in Dortmund gehasst wurde. Da lags an der Schalker Vergangenheit, bei mir liegts an diversen Eskapaden wie z.B. Hubschrauberflügen zum Training.

Beim Einlaufen der Teams gabs eine nette Choreographie, die sich den dank Sky gesplitteten Anstoßzeiten widmete. Mir wäre zwar auch ein einheitlicher Beginn wie vor Urzeiten lieber, aber da bin ich Realist und fürchte, dass die DFL aufgrund des dann zu befürchtenden Einbruchs der Fernsehrechte nicht mit sich reden lassen wird. So gabs mal wieder ein Flutlichtspiel und das find ich auch nie verkehrt.

Angekündigt waren für das Spiel 4500 Stuttgarter, die ihr Team lautstark zum nächsten Sieg schreien wollten. Keine Ahnung, ob die Zahl gestimmt hat, aber für die Entfernung fand ich, dass es zumindest weniger als Frankfurter zwei Wochen zuvor waren. Und in Fürth kamen sie mir damals auch deutlich lauter vor.

Dynamisch gings dann auf beiden Seiten los. Ein Spiel ohne großes Abwarten und mit viel Begeisterung. Auf Clubseite hielt man bei einem Kopfball von Pogrebnyak am 5er die Luft an, als Wolf jedoch zur Ecke abfälschte. Im Gegenzug durfte Charisteas mal wieder ein Tor erzielen, aber dank Abseits wars auch diesmal wieder nichts. Harry kämpfte aber um jeden Meter und außer den beim Club im Gegensatz zu seinen Nationalmannschaftsauftritten fehlenden Toren kann man ihm ja auch nicht viel vorwerfen.

In der 17. Minute konterte der Club einmal erfolgversprechend. Aber Marek Mintal scheint von Tag zu Tag langsamer zu werden und so kam letztendlich nur ein langsames Schüßchen neben das Tor heraus. Kurz darauf durfte der Topgoalgetter von Hannover, Bunjaku, freistehend aus 16m abziehen. Leider sprang vor ihm der Ball noch einmal auf und so kam auch nur ein unglücklicher Schuss über das Tor heraus.

Zwei Minuten später kam es, wie es in einem Abstiegskampf anscheinend immer kommen muss. Eine unglückliche Situation (Fehlpass des diesmal schwachen Wolf an der Mittellinie) führt zu einem Konter. Der überragende Khedira passt von links flach und scharf in die Mitte; den Ball lässt ein Mitspieler durch und Gebhart auf halbrechts lässt einen Schlagschuss (mal kurz vom Eishockey geborgt) Marke Hitzlsperger mit angeblichen 110 km/h (wenn man der wichtigen Anzeige trauen will) los; das Geschoss schlägt unhaltbar für Schäfer ein - der unglückliche Rückstand für den Club.

Nürnberg erhöht das Tempo und nach einer Ecke in der 27. Minute haben einige Fans den Torschrei schon auf den Lippen: mein Liebling Lehmann irrt bei einem Eckball von rechts orientierungslos aus seinem 5m Raum; der Ball kommt ans lange Eck, wo lediglich ein harmloser Kopfball in Richtung Tor übrig bleibt. Mittlerweile hat Lehmann wieder zurück gefunden und kann den locker aus der Luft angeln.

Der Goalie ist es dann auch, der sich den Unmut des Nürnberger Anhangs zuzieht. Eine Behandlung nach einer nicht ersichtlichen Verletzung erzürnt das Volk und er wird bis zum Schluss bei jeder Aktion konsequent ausgepfiffen. Mein Mitleid hielt sich allerdings in Grenzen.

Bis zur Halbzeit gibt es lediglich noch eine Chance für Mintal, nachdem Charisteas schön an die Strafraumkante zurückgelegt hat. Aber Mintal verzieht auch hier und beim Club macht sich bis zur Hälfte zunehmend Nervosität breit. Letztendlich kamen einfach zu wenig Schüsse platziert aufs Tor von Lehmann, obwohl der Club bis dorthin einen guten Eindruck hinterließ.

Zu Beginn der 2. Hälfte erhöhte der Club das Tempo - und fing sich dabei mehrmals Konter des VfB ein. Doch Raphael Schäfer, der gegen seinen Ex-Verein sicher noch einmal mehr motiviert war, klärte sowohl in der 46. als auch in der 55. gegen frei vor ihm auftauchende Stuttgarter.

In der 60. dann endlich der erlösende Ausgleich: Charisteas passte auf Bunjaku, der mit einem scharfen, aber unplatzierten Ball Lehmann testete - und der versagte, indem er ihn per Faustabwehr ins lange Eck abfälschte. Jetzt sah es doch so aus, als wäre ein Heimsieg im Bereich des Möglichen.

Nach dem Tor gab es gleich zwei bemerkenswerte Wechsel: Kapitän Andi Wolf, diesmal ein Unsicherheitsfaktor in der Abwehr, wurde durch Maroh ersetzt. Beim VfB ging der Mann, der für meinen Stuttgart-wird-Meister-Tipp vor der Saison verantwortlich war: Alexander Hleb, der seine Form vergangener Jahre irgendwo im Ausland verloren hat. Bei seiner Verpflichtung, in Verbindung mit dem überragenden Stuttgarter Sieg in der Vorbereitung beim Saisoneröffnungsfest in Fürth, haben mich dazu hinreissen lassen. Wohl 10 Euro, die ich nie mehr wiedersehe...

Im Spiel ging es munter weiter: bei einem Stuttgarter Querpass verpassen zwei in der Mitte (67.), Schäfer klärt gegen einen Kopfball per Hechteinlage. Zwei Aufreger gabs dann kurz hintereinander. Zunächst versucht es Mintal mit einer Schwalbe, als er von einem Stuttgarter Gegenspieler angehaucht wird. Gut, wenns mit dem Toreschiessen sonst nicht mehr klappt, kann man das ja mal probieren. In der aufgeheizten Stimmung im Anschluss gibt es ein kleines Handgemenge an der Mittellinie, bei dem der diesmal allenfalls mittelmäßig spielende Tavares einen Gegenspieler schubst, der sich auch nicht lange bitten lässt und zu Boden geht. Überraschenderweise gibts nicht mal Gelb für Tavares.

Nachdem ein Punkt für den Club zu wenig im Abstiegskampf ist, wird auf das zweite Tor gedrängt. In der 83. schließlich sollte es soweit sein - dachte man. Aber Bunjaku zieht den Ball aus 13 m freistehend über das Tor. Das rächte sich nur wenig später:

Khedira steht mutterseelenallein auf der linken Abwehrseite des Clubs - von Pinola oder Breno nichts zu sehen. Er stürmt Richtung Tor und spielt einen perfekten Diagonalpass an zwei zurückeilenden Spielern vorbei zu dem Mann aus der Region auf VfB-Seite, Roberto Hilbert. Der war vor einigen Jahren der einzige Grund, warum man gerne mal bei Fürther Spielen vorbeischaute. Seitdem kam der kometenhafte Aufstieg zum Nationalspieler und harte Aufprall auf der Stuttgarter Ersatzbank. In dieser Situation zeigte er, dass er das Fußball spielen trotzdem noch nicht verlernt hat, verlädt den herauseilenden Schäfer und schiebt aus spitzem Winkel ein.

Die ganzen Mühen umsonst. Aber so ist das wohl im Abstiegskampf. Der Club bringt nichts mehr zustand und kann noch froh sein, dass er nicht das 1:3 kassiert, als sich drei Stuttgarter im Fünfmeterraum im Vorbeistochern überbieten. Aber das wäre auch schon egal gewesen. Schäfer ist daraufhin so frustriert, dass er Rumpelstilzchen erfolgreich imitiert und sich selbst auswechselt. So kam Stephan noch unverhofft zu einer Auflaufprämie. Kann er bestimmt brauchen...

Was der Club brauchen könnte, wären jetzt ein paar Punkte. Die nächste Gelegenheit bietet sich in Mönchengladbach am Freitag. Große Hoffnungen habe ich allerdings nicht.

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    In den frühen 30ern, gefühlt noch lang nicht so alt. FingerHaus Medley 300, frei geplant

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