Sonntag, 7. März 2010

Puuuuhhhhh: FCN-Bayer 3:2

Letztendlich wurde alles gut. Sofern man nicht Anhänger von Bayer Leverkusen ist. Selbst Bayern-Fans dürften sich diesmal über den Club-Sieg gefreut haben. Nach dem debakulösen Hinspiel konnte man diesmal eigentlich nicht wirklich viel erwarten. Aber irgendwie sieht es so aus, als ob die Leverkusener in der Winterpause zu viel Zeit zum Nachdenken hatten und jetzt ein bisschen verkrampfen. Aber der Reihe nach:

Grundsätzlich hätte ich ja froh sein müssen, dass es mal wieder mit Fußball geklappt hat. Das Derby fiel unserem eigenen Fussballturnier zum Opfer (2. Platz als Titelverteidiger = wir müssen nicht nochmal ausrichten, also quasi perfektes Abschneiden; danke, danke...) und das Spiel des Nachbarn gegen Rostock in der Vorwoche konnte auch nicht entschädigen. Wenn da nicht die Icetigers gegen Mannheim - also von der Rivalität mit dem Derby gleichzusetzen - gespielt hätten. Ich erzähl jedem, der mal mitgeht zum Eishockey, dass die Spiele gegen Mannheim Feiertage sind. "Dank" Sky (bin froh, dass die mich nicht mehr als Kunden wollten; kann für Liveübertragungen übrigens www.livetv.ru empfehlen) lief das Spiel gleichzeitig mit dem des Club. Bescheuerter Kommerz, der den Tigern auch noch einige Zuschauer außer mir gekostet haben dürfte. Grundsätzlich ist mir Eishockey gegen Mannheim lieber. Aber da hätt ich die Karte noch kaufen müssen und beim Club hab ich die Dauerkarte. Außerdem ists Leverkusen - also doch Fussi. Im Nachhinein die bessere Entscheidung, wenn man Spielverlauf und Ergebnisse betrachtet.

Im Gewirr mit Freizeitmesse, Eishockey und Fußball konnt ich gleich mal überhaupt keine Leverkusener unterwegs entdecken. Wahrscheinlich wussten sie, was sie erwartet (wobei es letztendlich ein doch ganz gut gefüllter Block mit relativ ruhigen Leverkusener Anhängern wurde). Dafür erspähte ich ne Steaksemmel mit Zwiebeln zum Sonderpreis von 3 Euro. Da konnte ich dann doch nicht dran vorbei. Durchwachsen gestärkt gings anschließend weiter ins "für die Jahreszeit zu kalte" (den Meteorologen Spruch lieb ich einfach) Stadion.

Nach der Aufstellung, die ich nur mit halbem Ohr verfolgte, wunderten wir uns plötzlich, wer denn im Sturm spielt. Ne Gedenkminute später fiel uns ein, dass Schubomodäng mit dabei war. Beruhigt und überrascht ließen wirs also angehen - man kann ja doch nicht jedes Mal mit drei Stürmern auflaufen.

Am Anfang gabs gleich nen Selbsttest: ich wollt ja schon immer mal ausprobieren, ob man per Handy ne Livewette absetzen kann, wenn das Ganze grad passiert ist. Die Fernsehsender übertragen ja mit ner kleinen Verzögerung und ich wollte wissen, ob sich das ausnutzen lässt. Also, wenn wetten legal wäre. Ich hab somit - rein hypothetisch - mal nächstes Tor angeklickt, nen kleinen Betrag eingegeben und "sofort absetzen" markiert.

Und dann ist mal lange nichts passieren, außer dass mein Finger auf der Returntaste des Handys langsam festfror. Aber was tut man nicht alles im Namen der Wissenschaft. Anfangs wollte ich zwei Mal fast vorzeitig auslösen bei nem Kopfball von Kroos in der 4ten, der knapp am Tor vorbeiging und einem Abpraller von Adler. Aber jeweils nix.

Also weiterfrieren mit erstaunlich defensiv abwartenden Leverkusenern. Anscheinend hatte sie das glorreiche 1:1 der Bayern in Köln am Vortag beeindruckt. Auch bei zwei halbwegs guten Möglichkeiten, einem Alleingang von Risse bzw. kurz darauf einem Schlenzer, hoffte ich auf Erlösung für meinen Daumen. Aber nochmal nichts. Außer Frieren.

Ne kurze Aufwärmung für meine Finger gabs, als Breno hart umgegrätscht wurde im Mittelkreis und behandelt werden musste. Er wurde per Trage ausgewechselt und durch Maroh ersetzt.

Nach einem vielversprechenden Konter von Franz, als er im 16er der Leverkusener plötzlich einen Schwächeanfall zu erleiden schien, und einer Chance von Kießling im 5er (!) des Clubs, bei der wir immer noch rätseln, was er eigentlich vorhatte oder ob es sich um Mitleid für seinen Ex-Verein handelte, gabs endlich Erlösung für die gut 40300 und...meinen Daumen:

Choupo-Moting nahm elegant den Ball mit der Brust an und irgendwie holperte der Schuss neben dem Pfosten ins Tor. Zum - Achtung: unsinnige Sportreportersprache - "psychologisch günstigsten Zeitpunkt" kurz vor der Hälfte. Wäre es gewesen...wenn er nicht gleich vier Minuten noch ein zweites nachgelegt hätte. Und das mit der ganzen Erfahrung aus meiner einjährigen Grundkurszeit Psychologie gesprochen, wahrscheinlich noch günstiger war.

Aber der geneigte Leser ist sicher hochgespannt, wie mein Wett-Experiment ausgegangen ist: trotz der Kälte fiel meine Reaktion blitzschnell aus, der Ball hatte wohl die Linie noch nicht mit vollem Durchmesser (auch hier ein Gruß an die Sportreporter: ich war schlecht in Mathe, aber voller Umfang ist quatsch) überrollt, als ich schon "Wette abschließen" gedrückt hatte. Ums kurz zu machen: geht nicht. Mist. Aber jetzt kann ich wenigstens nächstes Mal meine Handschuhe das ganze Spiel anlassen. Der Mann von bwin ist also doch schnell genug, das Angebot vorher abzuschließen.

Mit einer halbwegs beruhigenden 2:0 Führung gings also in die Pause. Halbwegs nur, weil der Club einer der ersten Verdächtigen ist, wenn es darum geht, seltsamste Niederlagen (oder Punkteteilungen wie gegen Bremen; Juri...) einzufahren.

Aber direkt nach der Pause erstmal kollektive Erleichterung, als der ansonsten absolut unterirdische Tavares einen Eckball per Aufsetzer ins Tor beförderte; aber ein Rest Pessimismus war trotzdem noch um mich rum zu erahnen. Ist ja doch der Club.

Zurecht, wie sich herausstellte. Kießling hatte jetzt kein Mitleid mehr und schoss den Anschlusstreffer. Und als der eingewechselte Helmes in der 73. sogar das 3:2 erzielte, wars endgültig vorbei mit dem Siegesglauben. Irgend einer äußerte nach kurzer Panik, dass "wir doch noch führen". Stimmt - hätte man fast vergessen.

Leverkusen warf jetzt alles nach vorn und der Club schien stehend k.o.; auch mein Wunsch wurde noch erhört und Tavares ausgewechselt. Der spielte irgendwie mit eingebauter Verzögerung: bei jedem Ball in seiner Nähe blieb er erstmal eine Sekunde wie angewurzelt stehen, bevor er sich - dann gerne zu spät - in dessen Richtung bewegte. Dabei war es auch egal, ob sich ein Gegenspieler in der näheren Umgebung befand. Faszinierend - und nervenaufreibend. Hätte er das Tor nicht geschossen, hätte er nen 6er im Kicker verdient gehabt. So wirds wohl ne für mich unverdiente 4.

Letztendlich gabs diesmal zum Glück auch keinen Aussetzer zum Schluss und der Club konnte den Leverkusenern die erste Niederlage diese Saison beibringen. Und endlich auf einen Nichtabstiegsplatz klettern. Entgegen der sonst üblichen Fußballweisheit, dass 40 Punkte für die Vermeidung des Abstiegs benötigt werden, könnten aufgrund der geballten schlechten Ausbeute im Keller diesmal wohl auch 30 reichen. Und denen ist der Club jetzt ja 3 näher...

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Twitter Gezwitscher

    folge mir bei Twitter

    Über mich

    Mein Bild
    In den frühen 30ern, gefühlt noch lang nicht so alt. FingerHaus Medley 300, frei geplant

    Free Blog Counter